Allheilmittel Yuan-Schwäche? Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Die Quantifizierung der konjunkturellen Folgen eines eskalierenden Handelsstreits mag weltweit noch diskutiert werden, die Devisenmärkte haben ihr Urteil über den Yuan aber längst gefällt. Die USD-CNY-Bewegung, die zunächst als bloßes Spiegelbild einer globalen USD-Stärke begonnen hatte, hat in den letzten Tagen rapide an Dynamik gewonnen und ist zu einer ausgewachsenen Yuan-Schwäche geworden. Bei den Handelsstreitigkeiten der Historie war der Einsatz des Wechselkurses ein mindestens so probates Mittel wie das Verhängen von Strafzöllen. Gerade für China, das über eine langjährige Tradition bei der staatlichen Alimentierung seiner Exportwirtschaft mittels Wechselkurs verfügt, wirkt eine gezielte Yuan-Schwächung zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit verführerisch. Wer China aber eine leichtfertige Yuan-Abwertungspolitik unterstellt, sollte nicht vergessen, wie kräftezehrend der Kampf gegen die Kapitalflucht vor knapp zwei Jahren war. Eine außer Kontrolle geratene Yuan-Schwäche wäre Gift für die ohnehin schon fragilen Aktienmärkte sowie den maroden Bankensektor. Auch der Vertrauensverlust durch ausländische Investoren sollte nicht unterschätzt werden; schließlich ist die RMB-Internationalisierung ein Prestigeprojekt der Regierung, und eine Währungskrise würde den Aufstieg des Renminbi zur weltweiten Reservewährung für lange Zeit ausbremsen. Ohnehin ist die einseitige Wahrnehmung Chinas als reine Außenhandelsvolkswirtschaft veraltet. Exporte sind inzwischen nicht mehr der einzige Wachstumsmotor für das Land. Demzufolge kann es bei einer Yuan-Abwertung auch nicht mehr ausschließlich um positive Impulse für die internationale Wettbewerbsfähigkeit gehen, sondern auch um den Kaufkraftverlust im Inland (durch erhöhte Ausgaben der Verbraucher für Energie und andere Importe). Dass der Yuan vorerst angeschlagen bleiben wird, steht für uns außer Frage, auch aufgrund der globalen USD-Stärke sowie der sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Einer übermäßigen Abwertung dürfte man jedoch mit Interventionen sowie im äußersten Fall auch Kapitalverkehrskontrollen entschieden entgegentreten.

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Die Quantifizierung der konjunkturellen Folgen eines eskalierenden Handelsstreits mag weltweit noch diskutiert werden, die Devisenmärkte haben ihr Urteil über den Yuan aber längst gefällt. Die USD-CNY-Bewegung, die zunächst als bloßes Spiegelbild einer globalen USD-Stärke begonnen hatte, hat in den letzten Tagen rapide an Dynamik gewonnen und ist zu einer ausgewachsenen Yuan-Schwäche geworden. Bei den Handelsstreitigkeiten der Historie war der Einsatz des Wechselkurses ein mindestens so probates Mittel wie das Verhängen von Strafzöllen. Gerade für China, das über eine langjährige Tradition bei der staatlichen Alimentierung seiner Exportwirtschaft mittels Wechselkurs verfügt, wirkt eine gezielte Yuan-Schwächung zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit verführerisch. Wer China aber eine leichtfertige Yuan-Abwertungspolitik unterstellt, sollte nicht vergessen, wie kräftezehrend der Kampf gegen die Kapitalflucht vor knapp zwei Jahren war. Eine außer Kontrolle geratene Yuan-Schwäche wäre Gift für die ohnehin schon fragilen Aktienmärkte sowie den maroden Bankensektor. Auch der Vertrauensverlust durch ausländische Investoren sollte nicht unterschätzt werden; schließlich ist die RMB-Internationalisierung ein Prestigeprojekt der Regierung, und eine Währungskrise würde den Aufstieg des Renminbi zur weltweiten Reservewährung für lange Zeit ausbremsen. Ohnehin ist die einseitige Wahrnehmung Chinas als reine Außenhandelsvolkswirtschaft veraltet. Exporte sind inzwischen nicht mehr der einzige Wachstumsmotor für das Land. Demzufolge kann es bei einer Yuan-Abwertung auch nicht mehr ausschließlich um positive Impulse für die internationale Wettbewerbsfähigkeit gehen, sondern auch um den Kaufkraftverlust im Inland (durch erhöhte Ausgaben der Verbraucher für Energie und andere Importe). Dass der Yuan vorerst angeschlagen bleiben wird, steht für uns außer Frage, auch aufgrund der globalen USD-Stärke sowie der sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Einer übermäßigen Abwertung dürfte man jedoch mit Interventionen sowie im äußersten Fall auch Kapitalverkehrskontrollen entschieden entgegentreten. 20.07.2018

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