Japan: Arbeitskräftemangel wird immer mehr zum Problem

Japans Arbeitsmarkt präsentiert sich schon seit geraumer Zeit besonders fest. Die Arbeitslosenquote liegt bereits seit einem Jahr konstant unter 3 Prozent, hat aber diesen Mai nun mit 2,2 Prozent den tiefsten Stand seit Oktober 1992 markiert. Ähnliche Signale eines äußerst festen Arbeitsmarktes geben auch andere Indikatoren. So übersteigt etwa die Zahl der angebotenen offenen Stellen die Zahl der Jobbewerber um 60 Prozent. Ende 2013 gab es bei beiden Zahlen noch Gleichstand.

Die extrem niedrige Arbeitslosenquote ist kein Beleg für eine überschäumende Konjunktur, sondern resultiert vielmehr aus einem demographisch bedingten Arbeitskräftemangel. Seit sieben Jahren sinkt Japans Bevölkerung. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsjahre erreichen nun das Rentenalter und stehen dem Arbeitsmarkt nur noch bedingt zur Verfügung. Zugleich kann die Zahl der Berufsanfänger die Renteneintritte nicht mehr kompensieren. Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte im arbeitsfähigen Alter (15-64 Jahre) ist denn auch rückläufig. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist seit 2008 bereits von 66 auf nur noch 60 Prozent gefallen.

In dieser Situation, die sich bald noch deutlich verschärfen wird, stellt sich die Frage, ob und inwieweit Japan künftig verstärkte Zuwanderung akzeptiert. Japan ist kein Einwanderungsland und die Politik meidet diese Diskussion. Dennoch haben sich in Japan bei den Zugangsmöglichkeiten für ausländische Arbeitskräfte durchaus Veränderungen ergeben. Deren Zahl hat sich nämlich seit 2012 rund verdoppelt auf inzwischen 1,28 Mill. Menschen. Viele Unternehmen in arbeitsintensiven Branchen stellen vermehrt „technische Praktikanten“ oder ausländische Studenten ein, die bis zu drei Jahre im Land bleiben dürfen. Deren Anteil hat sich besonders stark erhöht.

Die Unternehmen brauchen aber zudem mehr reguläre Arbeitnehmer. In einem politischen Schwenk hat Premierminister Abe im Juni erklärt, ab nächstem Frühjahr vermehrt auch weniger qualifizierte Ausländer nun als reguläre Arbeitskräfte anwerben zu wollen, durch längere mögliche Aufenthaltsdauer, bürokratische Vereinfachungen und mehr Integrationshilfen vor Ort. Bis 2025 sollen 500.000 zusätzliche Ausländer befristet ins Land kommen, um die drängendsten Personallücken im Agrar- und im Bausektor, in der Gastronomie sowie im Pflege- und Gesundheitssektor zu füllen. So sinnvoll sie auch ist, so ist diese Initiative dennoch bestenfalls als Übergangslösung zu betrachten.

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