US-Wirtschaft koppelt sich langsam von Europa ab

Dynamisches Wachstum beim privaten Konsum und bei den Exporten haben im zweiten Quartal die US-Wirtschaft sichtbar „auf Touren gebracht“. Nach einer ersten Schätzung ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hoch gerechnet deutlich um 4,1 Prozent gewachsen, dies entsprach den Erwartungen. Vorausgegangen war ein verhaltener Jahresauftakt, vor allem wegen extremen Winterstürmen war das BIP im ersten Quartal gerade mal halb so stark gewachsen. Die jüngsten Daten stehen der amerikanischen Notenbank Fed bei ihrem moderaten Straffungskurs keinesfalls im Weg – im Gegenteil, sie stützen diesen. Wir rechnen noch mit zwei weiteren Zinsanhebungen in diesem Jahr.

Im internationalen Vergleich sieht es ganz danach aus, als würden sich die Vereinigten Staaten zunehmend von der Konjunktur in Europa abkoppeln. Auch im laufenden Quartal dürfte die US-Konjunktur das hohe Tempo gehalten haben, Signale für eine abflauende Dynamik sind kaum auszumachen. Die Umfragen in der Wirtschaft und auch bei den Konsumenten zeigen unverändert eine prächtige Stimmungslage. Und dies, obwohl sich in einigen Teilfragen durchaus eine gewisse Besorgnis im Hinblick auf den schwelenden Handelskonflikt widerspiegelt.

In diesem Jahr wird unterm Strich die US-Wirtschaft wohl um rund drei Prozent wachsen. Für das stärkste Wirtschaftswachstum seit drei Jahren liefert erneut der private Konsum wichtige Impulse, aber auch die Investitionen zeigen eine herausragende Stärke. Die Unternehmen dürften weiterhin kräftig in neue Maschinen und ihre IT-Infrastruktur investieren. Dies bestätigen auch die Daten für das zweite Quartal. Die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen lieferten das sechste Quartal in Folge einen sichtbaren Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit lag dabei erneut bei Maschinen für die Informationsverarbeitung, aber auch in die Bereiche Software oder „Forschung & Entwicklung“ flossen zahlreiche Gelder. Dies zeigt sich nicht erst seit der Senkung der Unternehmenssteuern, dies hat aber sicher für anhaltenden Schub gesorgt.

Auch die Wiederbelebung des Gewerbebaus dürfte von der Steuerreform zusätzliche Impulse erhalten haben. Nach langjähriger Flaute trugen gewerbliche Immobilien immerhin zum zweiten Mal in Folge 0,4 Prozentpunkte zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei. Dass sich der Impuls vom Außenhandel in Q2 immerhin auf 1,1 Prozentpunkte steigern konnte, ist nach Aussage der Statistikbehörde auf vorgezogene Exporten von Sojabohnen zurück zu führen. Aber auch überraschend schwache Einfuhren, die ansonsten diesen positiven Effekt geschmälert hätten, trugen hierzu bei.

Risiken für die US-Konjunktur bestehen weiterhin durch eine Verschärfung des Handelskonfliktes mit China. Und auch die NAFTA-Neuverhandlungen mit Kanada und Mexiko dürften von vielen amerikanischen Firmen mit Sorgfalt beobachtet werden. Ein abruptes Abreißen der Investitionstätigkeit ist aber nicht zu erwarten, zumal Trump‘s Politik insgesamt sehr wirtschaftsfreundlich ausgerichtet ist. So ist noch der weitere Abbau von Regulierungen geplant und zahlreiche umweltpolitische Auflagen wurden bereits gelockert. Aber wie gesagt, das Thema Handelskrieg ist immer noch nicht vom Tisch.

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Ein Kommentar

Kilian Rielau

Wenn man es bei solch tollen Wachstumsraten nicht schafft, einen soliden Staatshaushalt hinzubekommen, sondern das Defizit noch munter mit einer Steuerreform ausweitet, finde ich das Wachstum innerhalb der Eurozone deutlich sympathischer – besonders wenn es sogar oberhalb des Potenzialwachstum liegt und hauptsächlich aufgrund von neuen Einkommen – also Abbau der Arbeitslosigkeit- generiert wird und nicht durch höhere Verschuldung, private wie staatliche. Immerhin liegt die amerikanische Staatsverschuldung (inkl. Bundesstaaten und Sozialkassen) bereits jetzt mit knapp über 100% des BIP annähernd 20 Prozent höher als in der Eurozone (siehe Auswertung IWF, Destatis oder auch die sehr gute DZ BANK-Analyse vor wenigen Monaten). Wie wären wohl die Aussagen, wenn die Europäer so wirtschaften würden? Aus meiner Sicht ist die Gefahr groß, dass das US-Wachstum seinen Zenit überschritten hat.

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