Japanische Zentralbank bleibt sich treu

Auch wenn sich eine geldpolitische Änderung in Japan angesichts der sich nicht beschleunigen wollenden Inflation und des Damoklesschwerts der handelspolitischen Unsicherheit nicht unbedingt aufgedrängt hat, gab es im Vorfeld der heutigen BoJ-Sitzung Marktspekulationen auf eine grundlegende Neuausrichtung der Strategie. Von Änderungen des Zinsziels über eine Abschaffung des Negativzinses bis hin zur offiziellen Reduzierung der JGB-Käufe wurde kaum eine Option ausgelassen, egal wie unwahrscheinlich sie bei nüchterner Betrachtung auch gewesen wäre. Quelle dieser Spekulationen war nicht etwa eine Neubeurteilung der fundamentalen Lage, sondern Informationen aus „gewöhnlich gut informierten Kreisen“, wonach die BoJ (nicht näher konkretisierte) „Änderungen“ beschließen würde.

Zu „Änderungen“ ist es auch gekommen. Mit einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik haben diese aber nichts gemein, vielmehr geht es darum, die Geldpolitik auf eine nachhaltigere Basis zu stellen. (Und natürlich geht es auch um das Erreichen der Preisstabilität, aber dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt und seine Erwähnung ist kaum noch mehr als Makulatur.)

Die beiden wichtigsten Neuerungen sind eine stärkere Flexibilität beim Renditeziel und die Einführung einer Forward Guidance. Explizit betont die Bank von Japan ihr Festhalten am Zinsziel von 0,00% für zehnjährige JGBs. Neu ist der Zusatz, dass sich die Renditen in gewissem Maße nach oben und unten bewegen können. („The Bank will purchase Japanese government bonds (JGBs) so that 10-year JGB yields will remain at around zero percent. While doing so, the yields may move upward and downward to some extent mainly depending on developments in economic activity and prices.“) Sollte es aber zu einem schnellen Zinsanstieg kommen, würde man umgehend und angemessen eingreifen. Während der Pressekonferenz betonte Notenbankchef Kuroda mehrfach, dass es keinerlei Absichten gebe, damit die JGB-Handelsspanne auszuweiten, geschweige denn den Weg zu höheren Renditen zu ebnen. Dieses Bekenntnis passt auch zur Entwicklung der letzten Tage, als die BoJ mehrfach unbegrenzte Käufe von 10J-JGB zu 0,11% angeboten hatte, um sich dem jüngsten Renditeanstieg entgegenzustel

Mit der Einführung der „Forward Guidance“ sollte es der Bank von Japan auf absehbare Zeit gelungen sein, verfrühten Spekulationen auf einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einen Riegel vorzuschieben. Das aktuelle Umfeld extrem niedriger Zinsen solle für einen längeren Zeitraum beibehalten werden, so lautet die Schlüsselformel, mit der auch andere große Notenbanken von EZB bis Fed weltweit ihre Niedrigzinspolitik verankert hatten. („The Bank intends to maintain the current extremely low levels of short- and long-term interest rates for an extended period of time“).

Dass Marktbeobachter einzelne JGB-Auktionen beobachtet und minutiös seziert haben, um daraus mutmaßliche Exit-Absichten der BoJ herauszulesen, dürfte damit wohl der Vergangenheit angehören. Auch der Yen sollte damit auf absehbare Zeit keinen Nutzen aus dem Faktor Geldpolitik mehr ziehen können. An Relevanz gewinnt damit seine Identitätskrise als Sicherer Hafen. Während Japans Währung sich in den diversen Krisen der letzten Jahrzehnte als zuverlässiger Safe Haven beweisen konnte, fehlt es seit einigen Wochen am vertrauten Zusammenhang zwischen erhöhter Risikoaversion und festerem Yen. Eine Theorie hierzu ist, dass die (negativen) konjunkturellen Folgen des Handelsstreits mit den USA zunehmend im Yen eingepreist werden. Was bei anderen Währungen legitim ist (nämlich die Berücksichtigung der heimischen Wachstumsperspektiven), wäre für den Yen ein Novum. Um einen solchen langfristigen Strukturbruch zu attestieren, fehlt es uns allerdings noch an weiteren Indizien. Wir sehen den Yen daher auf absehbare Zeit gefangen im Spannungsfeld zwischen auflodernder globaler Risikoaversion (Yen-positiv) und unbeirrt ultralockerer BoJ-Politik (Yen-negativ).

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