Argentinien: Reformprozess in der Krise?

Argentiniens Reformpräsident Mauricio Macri kämpft nun bereits seit Ende 2015 gegen die Hinterlassenschaften der populistischen Wirtschaftspolitik der peronistischen Kirchner-Ära (2003 bis 2015), die zu übermäßigen Staatsausgaben, Devisenkontrollen, Überbewertung des Peso und einem Regulierungsdickicht geführt hatte. Nach seinen bisherigen Reformschritten wie der Freigabe des Wechselkurses, dem graduellen Subventionsabbau auf dem Strommarkt, dem Entfall von Preisbindungen und auch gewissen Einsparungen bei den Sozialausgaben fehlen aber noch durchgreifende Konsolidierungserfolge. Das Twindefizit beim Staat und im Außenhandel hält sich hartnäckig und hat die außenwirtschaftliche Verwundbarkeit Argentiniens zuletzt erhöht. Die Inflation muss mit extrem hohen Leitzinsen bekämpft werden.

Die Leitzinswende in den USA hat die Währungen vieler Emerging Markets negativ getroffen. Kapital fließt zurück in die Länder mit höherem Wachstum und der Aussicht auf bessere Realverzinsung. Von diesen Kapitalabflüssen ist auch Argentinien betroffen, zumal sein Leistungsbilanzdefizit zuletzt noch gestiegen ist. In mehreren Schüben ist seit Mai der Außenwert des Peso stark unter Druck geraten. Die internationalen Anleger scheinen der Wirtschaft des Landes nicht mehr richtig zu trauen – trotz Macris bisheriger Reformschritte wie der Freigabe des Wechselkurses, dem schrittweisen Subventionsabbau auf dem Strommarkt und den Einsparungen bei Sozialausgaben. Macri ist in der Defensive, er hat aber politischen Mut gezeigt und den Internationalen Währungsfonds (IWF) erfolgreich um einen Beistandskredit gebeten. Dabei wird der IWF von Argentiniens Bürgern nach der letzten Schuldenkrise und dem Staatsdefault vom Dezember 2002 mit äußerstem Argwohn gesehen.

Zu allem Überfluss hat neben dem ungünstigeren globalen Umfeld auch eine Dürreperiode hohe Produktionsausfälle in Argentiniens Landwirtschaft verursacht. Das Land erlebt derzeit krisenhafte Wachstumsrückgänge. Ob der IWF-Kredit ausreicht, um die aktuellen Wirtschaftsprobleme und die Währungsattacken abzuwehren, hängt auch davon ab, ob Macris „graduelle“ Reformstrategie am Ende gelingt. Er sieht härtere Reformschritte gemäß einer „Schocktherapie“ als kontra-produktiv an, weil sie von der Bevölkerung nicht mitgetragen würden. Auch muss er sich bis zu den Präsidentenwahlen im Oktober 2019 genügend Rückhalt bei den Wählern sichern. Die Chancen auf eine Wachstumsbeschleunigung im Wahljahr 2019 stehen aber gut, so dass er hoffen kann, sein Reformwerk dann mit „mehr Dampf“ fortsetzen zu können.

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