US-Arbeitsmarkt mit Schwung ins zweite Halbjahr, bei weiter moderatem Lohnanstieg

Im Juli ist die Zahl der Beschäftigten am US-Arbeitsmarkt um 157.000 Personen gestiegen, dies zeigt der jüngste offizielle Arbeitsmarktbericht. Dieser Stellenzuwachs lag etwas unter den Erwartungen. Da aber das Plus der beiden Vormonate insgesamt um rund 50.000 Stellen nach oben revidiert wurde, ist das Bild eines recht flott laufenden Jobmotors weiterhin intakt. Dies wird durch den Rückgang der Arbeitslosenquote von 4,0 auf 3,9 Prozent unterstrichen. Vor allem die Zahl der erst seit kurzem Arbeitslosen ging sichtbar zurück, aber auch zahlreiche Langzeitarbeitslose konnten in den Arbeitsmarkt integriert werden.

In den kommenden Monaten erwarten wir weiterhin eine robuste Beschäftigungsdynamik. Dafür spricht das unverändert gute Wirtschaftsklima, die gut gefüllten Auftragsbücher und die kräftige Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt knapp unter vier Prozent liegen, ein solch niedriger Wert wurde zuletzt im Jahr 2000 erreicht. Von daher ist es keine Überraschung, dass das jüngste Statement der Fed-Oberen die grundsätzliche Bereitschaft widerspiegelt, den moderaten Zinserhöhungskurs fortzusetzen.

Wie in der ersten Jahreshälfte stieg auch im Juli im güterproduzierenden Bereich die Zahl der Beschäftigten sichtbar an. Die Steigerung um 52.000 Personen wurde zum größten Teil vom verarbeitenden Gewerbe getragen, aber auch in der Bauwirtschaft ging es unverändert aufwärts. Hält im verarbeitenden Gewerbe die Beschäftigungsdynamik auch in der zweiten Jahreshälfte das vergleichsweise hohe Tempo der vergangenen Monate, dann würde am Ende des Jahres die Bilanz für 2018 immerhin eine Steigerungsrate von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigen. Aber selbst wenn der Stellenaufbau im verarbeitenden Gewerbe unmittelbar zum Erliegen käme, stünde wegen der guten Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf ein Plus von 1,9 Prozent zu Buche. So oder so, ergibt sich für dieses Jahr der stärkste Beschäftigungszuwachs seit dem Jahr 1984!

Dieses Wiedererstarken der US-Industrie dürfte besonders den republikanischen Politikern wenige Monate vor den Kongresswahlen recht gelegen kommen, denn schließlich besteht in beiden Kammern derzeit nur eine recht knappe Mehrheit. Allerdings dürfte die Zahl der Industriebeschäftigten auch zum Jahreswechsel trotz der leichten Erholung in den letzten Jahren noch unterhalb von 13 Millionen liegen, im Jahr 2000 waren hier noch mehr als 17 Millionen Menschen beschäftigt.

Unverändert arbeitet aber die große Mehrheit der Beschäftigten, genaugenommen mehr als zwei Drittel, im privaten Dienstleistungssektor. Im Juli wurden dort sogar erstmals etwas mehr als 106 Millionen Beschäftigte gezählt. Das Vorkrisenniveau hatte dieser sehr mannigfaltige Tätigkeitsbereich bereits im Herbst 2012 wieder erreicht.

Kräftige Lohnsteigerungen sind trotz der guten Beschäftigungssituation nicht auszumachen. Im Juli stiegen die Stundenlöhne zwar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat bleibt aber wie im Mai und auch im Juni unverändert bei 2,7 Prozent. Die Details der Arbeitsmarktstatistik verdeutlichen, dass vor allem im Bereich „unfreiwillig Teilzeitbeschäftigte“ immer noch einige Reserven vorhanden sind. Aber nicht nur die stille Reserve, sondern auch ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis bremsen die Lohnforderungen. Dafür ist die hohe Arbeitslosigkeit während der letzten Wirtschaftskrise verantwortlich. Die Steigerungsraten bei den Löhnen dürften jedoch bereits anziehen, bevor „Ebbe“ in sämtlichen Reservebereichen herrscht. Letztendlich wird aber wohl auch 2018 im Jahresdurchschnitt der Lohnanstieg erneut hinter den in früheren Aufschwungsphasen verzeichneten Steigerungsraten zurückbleiben und unterhalb von drei Prozent liegen.

 

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