Bei den Notenbanken geht es sehr geordnet zu

Im Vergleich zur Realpolitik verlaufen bei bedeutendsten Notenbanken die Entwicklungen in ruhigen Bahnen und dies wird sich in den kommenden Monaten auch kaum ändern. Die europäischen Währungshüter haben jüngst die Weichen für den weiteren Fortgang der Geldpolitik neu gestellt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Leitzins unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis über den Sommer nächsten Jahres unverändert bleiben soll. Damit befindet sich die Geldpolitik der EZB derzeit im Autopilot-Modus. Einzig das Thema „Target2“ wird zuletzt wieder kontrovers debattiert. Jedoch liegen die Schwerpunkte bei der Diskussion falsch. Weniger die Haftungsrisiken sollten im Vordergrund der Debatte stehen, als vielmehr die Frage, wie das Vertrauen in die Peripheriestaaten wieder gestärkt werden kann.

Auf der anderen Seite des Atlantiks sollte das geldpolitische Vorgehen der Fed ebenfalls weiterhin in sehr geordneten Bahnen verlaufen. Die US-Währungshüter sind derzeit bemüht eine weiche Landung der US-Wirtschaft hinzubekommen und straffen daher nach und nach die Zinszügel. Für das laufende Jahr rechnen sollten noch zwei weitere Leitzinsschritte kommen. Die nächste Zinserhöhung dürfte zur September-Sitzung erfolgen. Die britischen Notenbank-Oberen haben zuletzt im Juli an der Zinsschraube gedreht. Zwar betrachten die BoE-Vertreter den jüngsten Zinsschritt als Bestandteil eines laufenden Erhöhungszyklus, doch signalisieren sie zugleich, dass mehr als „eine Zinserhöhung pro Jahr“ wohl nicht erfolgen wird. Die vorsichtige Gangart wird unter anderem mit den Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit begründet. Hinsichtlich der BoJ gab es zuletzt Spekulationen, wonach diese eine Abkehr von ihrem ultra-expansiven Kurs erwägen könnte. Mit der Einführung einer „Forward Guidance“ dürfte es der BoJ gelungen sein, auf absehbare Zeit verfrühten Spekulationen auf einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einen Riegel vorzuschieben.

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