Real leidet unter Umfragen für die Präsidentschaftswahl

Die jüngsten Umfragen bestätigten grundsätzlich die vorherige Tendenz für die brasilianische Präsidentschaftswahl, wobei Ex-Präsident Lula seinen Vorsprung sogar noch etwas ausgebaut hat. Einziges Problem bei diesen Umfragen ist jedoch, dass Lula bei den Wahlen voraussichtlich nicht antreten darf. Er sitzt derzeit eine langjährige Haftstrafe wegen Korruption ab und ist daher nach der derzeitigen Gesetzeslage nicht wählbar. Entsprechend dürften die zuständigen Gerichte ihn von der Wahlliste streichen. Lulas Partei, die oppositionelle Arbeiterpartei PT, will dies offenbar möglichst lange hinauszögern, um die Zeit zu nutzen, ihren Ersatzkandidaten Haddad populärer zu machen. Bisher gelang dies zwar nur in einem begrenzten Umfang, der öffentliche Wahlkampf mit Fernsehwerbung beginnt allerdings erst Ende des Monats.

Bei den Umfragen ohne Lula führt der Rechtsaußen Bolsonaro deutlich vor einem breiten Verfolgerfeld, deren Stimmenanteile sich nur wenig unterscheiden. Bei einer paarweisen Befragung für eine Wahl zwischen Bolsonaro und einem möglichen Kontrahenten für die zweite Runde, kann Bolsonaro seinen Vorsprung nicht verteidigen. Mit rassistischen und frauenfeindlichen Kommentaren hat er große Teile der Wählerschaft verschreckt. Die Unterschiede bei den Stimmanteilen für die zweite Runde liegen im Bereich der statistischen Ungenauigkeit, so dass das Rennen völlig offen ist. Die Hoffnung des Favoriten der Finanzmärkte Alckmin, dass es ihm aufgrund seiner größeren Präsens bei der Wahlwerbung im Fernsehen noch gelingt, seinen Stimmenanteil spürbar zu verbessern, könnte sich als zu optimistisch herausstellen. Zumindest Bolsonaro scheint ihm bereits zu weit enteilt zu sein. Allerdings dürften die Finanzmärkte und damit auch der Real mit dem wirtschaftspolitischen Programm des Rechtsaußen Bolsonaro ebenfalls gut leben können. So steht Bolsonaro für eine stärkere Unabhängigkeit der Notenbank und eine konservative Fiskalpolitik mit einer gleichzeitigen graduellen Senkung der Steuern. Die Alterssicherung soll um ein kapitalgedecktes System ergänzt werden.

Auf der anderen Seite sollte es der PT noch gelingen, einen nennenswerten Teil der potenziellen Lula-Wähler hinter Haddad zu vereinen, der es damit in die zweite Runde schaffen könnte. Die PT fordert, ähnlich wie Ciro Gomes, ein weiterer gut positionierter Bewerber, in ihrem Programm eine stärkere Orientierung der Geldpolitik an einem Beschäftigungsziel. Ein zentrales Ziel im linken Lager ist zudem das Zurückdrehen wichtiger Reformen der derzeitigen Regierung. Insbesondere die langfristige Ausgabenbeschränkung ist den Kandidaten ein Dorn im Auge.

Allein die Aussicht auf einen linken Präsidenten dürfte in den kommenden Wochen den Real weiter unter Druck setzen. Noch liegt in den Umfragen allerdings die Umweltaktivistin Silva auf dem zweiten Platz, die wirtschaftspolitisch nicht dem linken Lager zuzuordnen ist und gute Chancen hätte, Bolsonaro in einer Stichwahl zu überflügeln.

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