Gold: Pessimismus überzeichnet – Temporäre Preiserholung zu erwarten

Anleger sind ob der Entwicklung des Goldpreises sehr verwirrt. Es existieren aktuell viele Unsicherheiten. Aber weder der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China, die ungeklärte Iran-Thematik noch die sich zuspitzende Situation in der Türkei können den Goldpreis unterstützen. So hat der deutliche Verfall der türkischen Lira und die Turbulenzen einiger Währungen der Schwellenländer sogar noch zu einer Verschärfung des Goldpreisverfalles geführt. Der Modus des sicheren Hafens scheint aktuell deaktiviert zu sein.

Wir sind davon überzeugt, dass die Gründe hierfür im Anlegerverhalten selbst liegen. Anleger steuern aktuell lieber den US-Dollar und damit US-Staatsanleihen als sicheren Hafen an. Auch der US-Aktienmarkt lockt ob der robusten Konjunkturentwicklung weiter Anleger an. Im Gegensatz zu den europäischen und asiatischen Investoren reduzieren daher besonders die Amerikaner ihre ETF-Bestände im Gold. Global hat sich die ETF-Nachfrage im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr beinahe von 63 Tonnen auf 34 Tonnen halbiert. Allerdings beginnt sich diese Tendenz allmählich zu verlangsamen, was auch daran liegt, dass beispielsweise zunehmend die langfristigen Folgen der Trump‘ schen Handelspolitik diskutiert werden. Investoren werden sich vor diesem Hintergrund auch klarer darüber, dass die Aufwärtsbewegung am US-Aktienmarkt nicht unendlich fortzuschreiben ist. Aus diesem Grund rechnen wir auf dem aktuell sehr stark reduzierten Niveau mit einer langsam einsetzenden Stabilisierung der Investmentnachfrage im zweiten Halbjahr.

Auf der Nachfrageseite sorgt aber vor allem China, der größte Goldnachfrager weltweit, für Hoffnung. Sowohl die Barren- und Münznachfrage (+10% gegenüber Vorjahr) als auch die Schmucknachfrage (+7%) entwickeln sich sehr robust. Im „Reich der Mitte“ löst der Handelskonflikt mit den USA ein in Gänze gesteigertes Interesse an Gold aus. Aber auch andere Länder, dessen Verhältnis zu den USA angeschlagen ist, steigern ihre Goldnachfrage. Hier ist vor allen Dingen Iran (Konsumentennachfrage: +43% J/J) und Russland (+10% J/J) hervorzuheben.

Auf dem Terminmarkt herrscht bei Gold derzeit ein extremer Pessimismus, der so in der Historie bisher noch nicht vorzufinden war. Sollte eines der oben genannten Risiken wieder stärker in den Mittelpunkt rücken oder die sich unseres Erachtens aufhellenden Nachfragetendenzen in den Vordergrund schieben, kann Gold recht zügig wieder steigen. Dies haben auch die letzten Tage demonstriert. Wir rechnen daher für die kurze Frist mit einem weiteren Anstieg des Goldpreises. Mit Blick auf die nächsten 12 Monate bleiben aber der US-Dollar und die US-Zinsen (wenngleich in einem geringeren Ausmaß) die wichtigsten Belastungsfaktoren, sodass wir nach einer kurzen Preiserholung einen erneuten Rücksetzer auf 1.200 US-Dollar erwarten.

 

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