Risiko einer globalen Emerging Markets Krise ist gering

Nach einer kurzfristigen Erholung hat der Druck auf die Währung und die Anleihen der Türkei wieder zugenommen. Eine Reihe an Ratingherabstufungen hat das ohnehin angeschlagene Bild weiter belastet. Damit rückt auch die Frage nach einer Ansteckung der Türkei-Krise auf andere Schwellenländer wieder prominent in den Vordergrund.

Real- und finanzwirtschaftlich sollten alleine aus einer neuerlichen Verschärfung der Krise keine markanten Ansteckungseffekte resultieren. Die Türkei ist handelsseitig kein sehr wesentlicher Handelspartner für die relevanten EM. Staaten wie Russland, Bulgarien oder Rumänien sind zwar im Außenhandel mit gewisser Bedeutung zu erwähnen und ein deutlicher BIP-Abschwung in der Türkei dürfte hier das Wachstum belasten, aber nicht in einer handfesten Krise münden. Zudem scheint es so, dass die Kredit-Verbindungen zwischen Banken laut BIZ-Daten eher zu Industrie- denn zu Schwellenländern bestehen. Auch über diesen Kanal sehen wir nur geringe Ansteckungsgefahr.

Kritisch könnte im Fall einer Krisenverschärfung in der Türkei aber das Risiko eines anhaltenden und wenig differenzierten Stimmungsumschwungs sein. So werden die Währungsturbulenzen in Argentinien oft mit der Lage in der Türkei in Verbindung gebracht. Während die Situation der beiden Länder in diversen Aspekten sicher verschieden ist und die Argentinier auf die Turbulenzen (im Gegensatz zur Türkei) auch mit kräftigen Zinserhöhungen reagiert haben, so gibt es in der Tat eine Gemeinsamkeit: Beide Staaten haben eine sehr schwache externe Position, welche sich unter anderem in einem hohen Leistungsbilanzminus, einem geringen Polster an Devisenreserven und recht hohen FX-Auslandsschulden ausdrückt. Eine schwache externe Position haben, wenngleich nicht in einem vergleichbar kritischen Ausmaß, auch Länder wie Südafrika oder Indonesien. Zudem gibt es Wahlen in Brasilien und die Gefahr weiterer Sanktionen gegen Russland, wobei diese beiden Länder eine klar solidere externe Position vorweisen. Es ist also nicht auszuschließen, dass bei einer tieferen Türkei-Krise auch andere Länder in Mitleidenschaft gezogen werden.

Allerdings gilt es auch zu betonen, dass die Liste der Türkei-Probleme schon besonders exklusiv ist: Das gleichzeitige Auftreten von sehr schwacher externer Position, negativer Ratingtendenz, hoher politischer Machtkonzentration, zweistelliger Inflationsrate, eingeschränkter Handlungsfreiheit der Notenbank und diplomatischen Verwerfungen mit den USA ist so bei keinem der von uns betrachteten EM vorhanden. Dieser Sachverhalt erteil keine Absolution für das komplette Marktsegment, sondern sollte Staaten dazu bewegen, die „Türkei-Fehler“ zu vermeiden. Zudem können Krisen eine Dynamik jenseits der Daten entfalten, besonders da die US-Politik eine gehörige Portion an Zusatzunsicherheit liefert. Dennoch sollte die Lage der Türkei schon noch als speziell und nicht als Muster für eine breite EM-Krise betrachtet werden.

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