Externe Anfälligkeit von Emerging Markets

Emerging Markets stehen – unter anderem aufgrund der neuen Handelsstrategien der USA – seit einiger Zeit unter angespannter Beobachtung. In diesem Umfeld hat die Krise in der Türkei deutlich vor Augen geführt, welche fatale Lage sich ergeben kann, wenn eine kritische (Wirtschafts-)Politik auf Schwächen in den externen Bilanzen trifft. Problematische Strukturen im Hinblick auf die externen Bilanzen können eine angespannte Situation zum Schlechteren beeinflussen, da wichtige Polster zur Krisenabfederung fehlen. Ein Land mit eindeutig schlechten Kennzahlen hat wenig Spielraum für Fehltritte im makroökonomischen Management oder für politische Eskalationen. Es lässt sich darüber diskutieren, wie derartige Schwächen zu identifizieren sind und die Liste möglicher Indikatoren ist sicher umfangreich. Ein Blick auf klassische Kennzahlen zur externen Position – Leistungsbilanzsaldo, die Höhe und Struktur der externen Verbindlichkeiten sowie Ausstattung mit Devisenreserven – stellt jedoch einen guten Startpunkt dar.

Die untenstehende Grafik stellt die Devisenreserven eines Landes den kurzfristigen externen Verbindlichkeiten zuzüglich des Leistungsbilanzdefizits (sofern vorhanden) gegenüber. Während in Russland die Reserven klar die kurzfristigen Verbindlichkeiten überragen, stellt sich die Relation in Argentinien und der Türkei genau umgekehrt dar. Ohnehin weisen diese beiden Länder aus den meisten Betrachtungswinkeln schwache Werte aus. Gewisse Defizite sehen wir auch für Südafrika (Leistungsbilanzminus und ausbaufähige Reserven-Position), Rumänien (erhöhtes Leistungsbilanzminus) und Indonesien (relativ niedrige Ausstattung mit Reserven). Auch in Ungarn und Chile könnte das Bild punktuell verbessert werden.

Auf der soliden Seite des Spektrums stufen wir Länder wie Russland, Brasilien oder Israel ein. Zu betonen ist jedoch: Die robuste externe Position gewährt diesen – offenkundig nicht durchgehend unproblematischen – Ländern einen Bewertungspluspunkt, ohne den sich wohl auch die jeweiligen Ratingprofile schlechter gestalten würden. Eine komplett wasserfeste Imprägnierung gegenüber allen EM-Unwettern besteht aber nicht. Ein breiter Stimmungsumschwung, der Preisverfall des zentralen Exportguts oder die erhöhte Risikowahrnehmung aufgrund handfester Politikprobleme kann auch Länder mit generell guter externer Position belasten. Gerade am Devisenmarkt werden kritische Tendenzen schnell quittiert. So gab der russische Rubel Ende 2014 unter dem Eindruck des Ölpreisrückgangs und der Ukraine-Krise erheblich nach und der brasilianische Real leidet aktuell unter den Unsicherheiten der aufkommenden Präsidentschaftswahlen. Immerhin können robuste externe Bilanzen und eine umsichtige Politik die negativen Auswirkungen dann abfedern. Eine schwache externe Position und eine kontraproduktive politische Lage bieten hingegen – wie die Türkei zeigt – nur einen sehr löchrigen Fallschirm.

 

 

 

 

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