Wenn die Rubel-Krise 2014 eine Blaupause für die Lira wäre…

Zwischen der Krise der russischen Landeswährung, die Ende des Jahres 2014 zu beobachten war, und den momentan vorherrschenden Lira-Turbulenzen gibt es einige auffällige Parallelen. Dies beginnt beim bisherigen Kursverlauf. Gegenüber Jahresanfang hat die Lira in der Spitze rund 45% gegenüber dem US-Dollar eingebüßt, beim Rubel waren es gerechnet auf denselben Zeitraum nur 3%-Punkte mehr. Zudem folgte auch bei der russischen Landeswährung im Anschluss an eine rund drei Wochen anhaltende, rapide Abwertung eine vorübergehende moderate Erholung, nur um im Anschluss hieran erneut deutlich nachzugeben.
Gemeinsamkeiten zwischen beiden Währungskrisen gibt es auch hinsichtlich der Ursachen. Den Grundstein für die Rubel-Abwertung lieferte im Jahr 2014 zwar der deutliche Rückgang des Rohölpreises. Die eigentliche Eskalation der Kapitalflucht ergab sich jedoch durch einen Mix aus diversen Faktoren, die durchaus mit denen für die Türkei vergleichbar sind. Diplomatische Differenzen mit „dem Westen“, Sanktionen vonseiten der EU und den USA, ein sich eintrübender Wirtschaftsausblick, strukturelle wirtschaftspolitische Versäumnisse und eine hohe Auslandsverschuldung. Erschwerend hinzu kamen Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank, die sich im Dezember 2014 zunächst von ihrer zurückhaltenden Seite präsentiert hatte und den Leitzins nur um 100 Bp auf 10,5% anhob.

Sollte die Lira dem Rubel-Beispiel folgen, drohen weitere Kursverluste
Nur wenige Tage nach der regulären Dezembersitzung 2014 gab die russische Notenbank dann aber ihre Zurückhaltung auf und erhöhte den Leitzins auf 17% – rund 7%-Punkte über der zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden, jährlichen Inflationsrate. Mit diesem Schritt ist es der Zentralbank gelungen, der ausufernden Panik am Devisenmarkt entgegenzuwirken. In den darauffolgenden Tagen konnte der Rubel immerhin 30% gegenüber dem US-Dollar zulegen. Die RUB-Erholung verdeutlicht, dass die Zentralbank eines Landes im Rahmen einer Währungskrise eine bedeutende Rolle spielt – positiv wie negativ.Die Rubel-Krise, die Ende 2014 ihren Ausgang nahm, liefert eine wichtige Erkenntnis, die auch für die Türkei gelten sollte: Die Zentralbank allein kann es nicht richten! Nabiullina & Co. konnten zwar für eine Beruhigung an den Devisenmärkten und ein Ende der panikartigen Verkäufe der Landeswährung sorgen, sodass die am 16. Dezember verzeichneten, historischen Intraday-Tiefststände (USD-RUB kletterte zeitweise auf knapp 80 RUB) im gesamten Jahresverlauf 2015 nicht mehr erreicht wurden. Die anhaltenden diplomatischen Differenzen, die Sanktionen und der einbrechende Rohölpreis machten dem Rubel jedoch weiter zu schaffen. Anfang 2016 musste die russische Landeswährung schließlich neue historische Tiefststände verkraften.
Eine weitere Erkenntnis aus der Rubel-Krise ist für die Einschätzung der längerfristigen Lira-Perspektiven relevant. Der russischen Zentralbank ist es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, Vertrauen zurückzugewinnen, die Inflationsrate ist auf vergleichsweise niedrigen Niveaus angekommen, das Wirtschaftswachstum mit knapp 2% (J/J) zumindest solide und der Rohölpreis hat sich spürbar erholt. Von den USD-RUB-Niveaus um 35 RUB, die vor der Krise anzutreffen waren, ist das Währungspaar jedoch die gesamten letzten Jahre durchweg sehr weit entfernt geblieben. Die Chancen, dass der Lira dieses Schicksal erspart bleibt, sind angesichts der vorherrschenden Rahmenbedingungen am Bosporus nahe Null anzusiedeln.

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