Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb.

Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira
Wie groß das Interesse an der türkischen Zentralbank heute war, zeigt die Tatsache, dass deren Homepage unmittelbar nach Verkündung der Leitzinsentscheidung nicht zur Verfügung stand. Die Lira scheint dies nicht gestört zu haben. Sie konnte von der Nachricht ihrer Zentralbank spürbar profitieren und wertete verglichen mit den Kursen unmittelbar vor Verkündung der Notenbankentscheidung zeitweise um rund 7% auf. Übrig geblieben sind davon einige Minuten später immerhin noch knapp 5%. Es mag sein, dass sich die Währungshüter eine deutlichere Reaktion gewünscht hätten. In Anbetracht der weiterhin vorherrschenden Herausforderungen für die Türkei und ihre Landeswährung scheint das Ausmaß der Aufwertung jedoch gerechtfertigt.
Denn klar ist auch: Die Zentralbank kann und muss zwar den Grundstein für ein Ende der Lira-Krise legen, sie allein kann es aber nicht richten. Dies haben bereits die Rubel-Krise von 2014 sowie der jüngste Verfall des Argentinischen Peso offenbart. Weitere Schritte, insbesondere von politischer Seite, müssen folgen, soll die angespannte Lage nachhaltig gelöst werden. Dies beginnt bei der Unabhängigkeit der Zentralbank, die weiterhin nicht als gesichert angesehen werden kann, geht über eine ausreichende fachliche Expertise sowie Erfahrung im Finanzministerium und schließt eine Verbesserung der internationalen Beziehungen, insbesondere mit den USA, ein. Ohne diese Stellschrauben steht die jüngste Lira-Erholung auf wackeligen Beinen.

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