EZB – Weiter so wie angekündigt!

Wenig überraschend hat die EZB auf der heutigen Ratssitzung ihre Absicht bekräftigt, die Leitzinsen frühestens ab Sommer 2019 zu erhöhen. Gleichzeitig gab die Notenbank nun endgültig bekannt, die Anleihekäufe ab Oktober dieses Jahres von 30 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Außerdem beabsichtigen die Währungshüter, die Nettokäufe im Dezember zu beenden, wenngleich diese Option weiterhin unter dem Vorbehalt steht, dass sich die Inflationsrate mittelfristig den Erwartungen der Währungshüter annähert. Damit wurde das Ende der Nettoanleihekäufe letztlich offengelassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Hürde für die EZB, von dem skizzierten Weg abzuweichen, sehr hoch sein wird. An der Reinvestitionspolitik wird vorerst festgehalten. Insgesamt haben die Finanzmärkte kaum auf die Sitzung des EZB-Rates und/oder auf die Pressekonferenz des EZB-Präsidenten reagiert. Dies deutet darauf hin, dass der Markt den langsamen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ausreichend antizipiert. Außerdem herrscht die Marktmeinung vor, dass die Geldpolitik weiterhin sehr akkommodierend bleiben wird.

Weitergehende Informationen zu den Reinvestitionen blieb die Notenbank schuldig. So gab Draghi auf der Pressekonferenz zu, dass die Währungshüter noch nicht über die Reinvestitionsstrategie gesprochen hätten. Offensichtlich hat die EZB keine Eile, neue Informationen zu den Reinvestitionen bekannt zu geben. Damit wies Draghi auch die Spekulationen zurück, wonach die Notenbank gezielt längerlaufende Staatspapiere kaufen könnte. Der EZB-Vorsitzende betonte jedoch, dass der Kapitalschlüssel weiterhin der Ankerpunkt für die Reinvestitionen sei. Die Inflation dürfte mittelfristig zunehmen. So ist die Kapazitätsauslastung derzeit hoch und die Bedingungen am Arbeitsmarkt verbessern sich kontinuierlich. In diesem Zusammenhang gab Draghi zu Protokoll, dass zwar der Rohölpreis leicht geringer eingeschätzt werde, die Kerninflationsrate sollte jedoch signifikant steigen. Sehr viele Fragen, wurden zu Italien gestellt. In diesem Zusammenhang betonte Draghi, dass die Gefahren, die von der italienischen Wirtschaftspolitik auf die Finanzmärkte ausgehen, bislang keine „Spill-over“-Effekte gezeigt haben. Außerdem sei er zuversichtlich, dass die Regierung an den derzeitigen Aussagen festhalten und die Regeln der EU-Kommission einhalten werde. Zusammenfassend wurden die politischen Fragen zu Italien sehr ausweichend beantwortet.

Die Projektionen zur Inflation sind unverändert geblieben. So geht die EZB davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Jahren bei rund 1,7% liegen wird und drückt damit ihre Zuversicht hinsichtlich einer stabilen Entwicklung auf Basis ihrer Geldpolitik aus. Der Wachstumsausblick wurde insgesamt nur leicht gesenkt, wobei dieser Schritt bereits in den letzten Tagen durchgesickert war und die Märkte deshalb nicht überrascht wurden. Hintergrund für die leichte Senkung dürfte eine nachlassende globale Nachfrage sein. Die Risiken, die sich aus den Handelsbeschränkungen oder den Unsicherheiten ausgehend von den Emerging Markets ergeben, haben laut Draghi an Relevanz gewonnen. Doch auch wenn der EZB-Vorsitzende mehrmals diese Risiken in den Vordergrund gestellt hatte, sind diese offensichtlich (noch) nicht so hoch, dass die EZB ihren geldpolitischen Kurs verändern wird. So blieb der Wachstumsausblick weiterhin ausgewogen. In diesem Zusammenhang betonte Draghi auf der Pressekonferenz, dass es sowohl Abwärtsrisiken gibt, aber auch Chancen für eine Wachstumsbeschleunigung. Damit gelang dem EZB-Chef eine Pressekonferenz, die keine Überraschungen enthielt. Da der aktuelle geldpolitische Kurs bestätigt wurde, reagierten die Finanzmärkte kaum.

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