Investoren weiterhin am Tropf der Geldpolitik

Potenzielle Krisenherde gibt es derzeit reichlich. Ob Italien, Trump, die Türkei, der rapide nahende Brexit oder der schwellende Handelskonflikt, Investoren müssen nicht lange suchen, um gute Gründe zu finden, sich defensiv zu verhalten. Dennoch bleibt die tatsächlich gemessene Risikoaversion am Markt niedrig. Die globalen Aktienmärkte laufen nach wie vor gut, die Bundrendite ist wieder gestiegen, während Peripherie-Spreads zuletzt reingelaufen sind und auch an den Devisenmärkten ist von erhöhter Risikoaversion nichts zu sehen. Aller Krisenherde zum Trotz scheinen die Finanzmärkte tiefenentspannt zu sein. Ausnahmen bilden sicherlich einige der Schwellenländerwährungen, die ihre Abwertung jedoch vorrangig lokalen Faktoren zu verdanken haben (die Tatsache, dass sich dies nicht deutlicher im breiteren EM-Spektrum widerspiegelt, größere Ansteckungseffekte also ausgeblieben sind, bestätigt sogar, wie gelassen der Markt derzeit ist).

Sucht man nach Gründen für die Widerstandsfähigkeit des Marktes, ist zum einen das weiterhin als robust zu bezeichnende volkswirtschaftliche Umfeld zu nennen. Die USA dürften in diesem Jahr eine Wachstumsrate von fast 3% (J/J) verbuchen können, die Eurozone kommt auf solide 1,9% und das Weltwachstum sogar auf starke 3,6%. Die gleichzeitig nach wie vor sehr verhaltene Inflationsdynamik sorgt dafür, dass Zentralbanken nur moderaten Handlungsdruck verspüren. Dies ist u.E. nach ebenfalls ein entscheidender Faktor, der zur derzeitigen Gelassenheit des Marktes beiträgt. Denn wenngleich die eine oder andere Zentralbank bereits restriktive Schritte unternommen hat, bleibt die Ausrichtung der globalen Geldpolitik expansiv. So hat das Bilanzsummenwachstum der großen Zentralbanken zwar spürbar nachgelassen, von einer insgesamt restriktiveren Gangart kann aber nach wie vor keine Rede sein (siehe Chart). Im Gegenteil, Investoren vertrauen ganz offensichtlich auf die Bereitschaft der Währungshüter, im Notfall erneut unterstützend in das Geschehen einzugreifen. Solange sich daran nichts ändert, dürfte der Markt auch weiteren Krisen entspannt entgegensehen.

Aggregierte Bilanzsumme (Fed, EZB, BoE, BoJ und Riksbank)
(LS: USD Bio; RS: J/J in Prozent)

 

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