Keine Partystimmung am Zuckermarkt

» Im Jahr eins nach der Deregulierung des EU-Zuckermarktes ist die Stimmung wegen des ausgeprägten Zuckerpreisrückgangs stark eingetrübt.
» Deutlich gestiegener Angebotsüberhang in Europa kann nur unvollständig über den Exportkanal abfließen.
» Einen Hoffnungsschimmer für den Zuckerpreis liefert der prognostizierte Rückgang des globalen Zuckerüberhangs.

Am 1. Oktober 2017 wurde der europäische Zuckermarkt neu geordnet. Sowohl die Obergrenzen für die Produktion von Zucker und Isoglukose als auch die Mindestpreise für Rüben wurden abgeschafft. Die Deregulierung führte im Zuckerjahr 2017/18 zu einem deutlichen Produktionsanstieg (+24%). Die EU schätzt, dass der europäische Angebotsüberhang als Folge bei etwa 2 Millionen Tonnen Zucker liegt. Seit Herbst 2017 stürzte der europäische Zuckerpreis somit um 26%.

Neben der Abschaffung des Quoten- und Mindestpreissystems wurde auch das Exportlimit aufgehoben. Damit öffnete sich die EU weiter dem Weltmarkt. Schließlich sollte der europäische Zuckerüberhang auf den globalen Markt abfließen. Allerdings war der Weltmarkt 2017/18 selbst aufgrund von deutlich gestiegenen Ausfuhren Indiens und Thailands überversorgt. Der globale Zuckerpreis kam dadurch unter die Räder und fiel seit dem 1. Oktober 2017 in Euro um 10%. Der Exportwunsch Europas konnte aufgrund des ungünstigen Weltmarktpreisniveaus nicht ausreichend realisiert werden. Dies setzte die europäischen Notierungen noch weiter unter Druck.

In Deutschland beginnt wegen der sommerlichen Dürreperiode die Erntekampagne 2018/19 verzögert. Da auch in weiten Teilen Europas wetterbedingt keine optimale Rübenernte möglich war, wird die Zuckerproduktion entsprechend zurückgehen. Bei einem weitgehend unveränderten heimischen Verbrauch, wird sich als Konsequenz der EU-Zuckerüberschuss leicht abbauen. Aber auch der globale Zuckermarkt liefert einen Hoffnungsschimmer für die zukünftige Zuckerpreisentwicklung. Die aktuelle Preislage führt nämlich in Brasilien, dem größten Produzenten und Exporteur weltweit, dazu, dass ein größerer Anteil des geernteten Zuckerrohrs zu Ethanol weiterverarbeitet wird. Dem Markt wird dadurch faktisch Zucker entzogen. Damit dürfte sich auch die brasilianische Exportdynamik abschwächen. Nach Angaben der International Sugar Organization (ISO) ist für 2018/19 mit einem Rückgang des globalen Zuckerüberschusses zu rechnen. Die Exportperspektiven hellen sich für die europäischen und deutschen Zuckerfabriken dadurch zumindest allmählich wieder auf.

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