Kapitalmarktrenditen dies und jenseits des Atlantiks dürften auf Jahressicht moderat höher tendieren

Die europäischen Währungshüter sind zwischenzeitlich wieder aus der Sommerpause zurückgekehrt und haben ihren eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bestätigt. Ab Oktober werden die monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des EZB-Ankaufprogramms (APP) auf 15 Mrd. Euro verringert. Perspektivisch sollen die Nettoneukäufe dann zum Ende des Jahres gänzlich beendet werden. Auch wenn die Währungshüter damit einen weiteren kleinen Schritt in Richtung geldpolitischer Normalität unternehmen, bleibt der geldpolitische Stimulus nach wie vor umfassend. So sind angesichts der EZB-Forward Guidance Leitzinserhöhungen zunächst kein Thema. Erst auf Jahressicht halten wir es für vorstellbar, dass die Notenbank-Oberen den Einlagesatz vorsichtig nach oben schleusen. Einen ersten „richtigen“ Zinsschritt halten wir frühestens Ende nächsten Jahres für wahrscheinlich.

Während sich die EZB sichtlich schwertut, die Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik ernsthaft anzugehen, treiben die US-Amtskollegen diese zusehends voran. Bis Mitte nächsten Jahres rechnen wir mit insgesamt vier Zinserhöhungen von je 25 Basispunkten. Mit 2,75% bis 3,00% dürfte die US-Notenbank dann ein neutrales Leitzinsniveau erreicht haben, bei dem die Geldpolitik grundsätzlich weder stimulierend noch dämpfend auf die US-Wirtschaft wirkt. Hier sollten die Fed-Vertreter zunächst innehalten, um zu beurteilen, wie sich die bisherigen Erhöhungsschritte auf die US-Konjunktur auswirken. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass der durch die Steuersenkungen ausgelöste Wachstumsschub für die US-Wirtschaft auch bis weit ins kommende Jahr trägt. Nach einer Pause könnten die US-Währungshüter einen weiteren Zinserhöhungsschritt zum Jahresende 2019 beschließen.

Die zehnjährigen Kapitalmarktrenditen dies- und jenseits des Atlantiks sind in den zurückliegenden Wochen leicht gestiegen. Auf Sicht von drei Monaten sehen wir allerdings durchaus die Möglichkeit, dass diese nochmals niedriger tendieren. Der italienische Budgetstreit und der schwelende Handelskonflikt haben durchaus das Potenzial, nochmals für Verunsicherung unter den Finanzmarktakteuren zu sorgen. In diesem Umfeld dürften Zinspapiere wieder gefragt sein. Auf längere Sicht erwarten wir aber sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Eurozone eine moderate Aufwärtstendenz der längerfristigen Renditen. Die Aussicht auf eine Anhebung des EZB-Einlagesatzes sollte den Bundrenditen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2019 Auftrieb geben. Zum Ende des nächsten Jahres rückt die 1%-Marke ins Visier.

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