Institute senken Wachstumsprognose für 2018

Die aktuelle Herbstprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute belegt: Der Konjunkturaufschwung in Deutschland hat sich seit Anfang 2018 spürbar verlangsamt, die Wachstumsrate für das laufende Jahr wird deutlich niedriger liegen als im Jahr 2017. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren die Institute für 2018 eine Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent, das entspricht im Übrigen auch der aktuellen Prognose der DZ BANK.

Hinter der verlangsamten Gangart der Konjunktur stehen zum einen eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland, die mit dem etwas eingetrübten internationalen Wirtschaftsklima zusammenhängt. Zum anderen wirken sich nach Ansicht der Wirtschaftsforscher zunehmend auch die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt wachstumsdämpfend aus. Der Fachkräftemangel erschwert es den Unternehmen, offene Stellen zügig besetzen zu können.

Für die kommenden Jahre fällt das Gutachten allerdings durchaus optimistisch aus: Die Wachstumsrate dürfte nach Ansicht der Wirtschaftsforscher im kommenden Jahr wieder auf 1,9 Prozent ansteigen, und auch 2020 mit 1,8 Prozent noch überdurchschnittlich ausfallen. Dieser Ausblick beruht allerdings auf der Annahme, dass es nicht zu einer Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bzw. der EU kommt. Sollten die USA Strafzölle auf europäische Autoexporte verhängen und die EU mit entsprechenden Gegenmaßnahmen antworten, so prognostizieren die Institute sowohl für Deutschland und die EU als auch für die USA eine schwere Rezession.

Auch weitere Konjunkturrisiken werden betont: So rückt der Zeitpunkt des Brexits näher, ohne dass erkennbar ist, wie sich das künftige Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gestaltet. Außerdem werden die Zweifel an der finanzpolitischen Stabilität Italiens immer größer und ein Konflikt mit der EU wahrscheinlicher. Weitere Gefahren gehen von den Krisen in Argentinien und in der Türkei aus, falls diese auf weitere Schwellenländer übergreifen, weil dort teilweise die Fremdwährungsverschuldung von Unternehmen stark gestiegen ist. Vor dem Hintergrund dieser schwelenden wirtschaftlichen und politischen Risiken scheint der im Gutachten gegebene Ausblick doch von großer Zuversicht geprägt zu sein.

Im wirtschaftspolitischen Teil des Gutachtens schließlich gehen die Institute auf Wohnungsnot, steigende Immobilienpreise und wirtschaftspolitische Möglichkeiten zur Gegensteuerung ein. Dabei stellen sie den aktuellen Initiativen der Bundesregierung kein gutes Zeugnis aus. Demnach führen kurzfristige Initiativen wie das Baukindergeld tendenziell zu Mitnahmeeffekten und steigenden Kosten, weil die Bauwirtschaft ohnehin gut ausgelastet ist. Es sollte eher darum gehen, die angebotsseitigen Engpassfaktoren zu beseitigen, d.h. vor allem die Erschließung von neuem Bauland zu erleichtern und zu beschleunigen. Kostenfaktoren wie z.B. die stark gestiegene Grunderwerbssteuer sollten wieder reduziert werden. Wir sind auf diese Diskussion bereits in unserem Blogbeitrag „Deutscher Wohnungsmarkt: Der Wohngipfel wird keine spürbare Entspannung bringen“ vom 25.09.18 ausführlicher eingegangen und kommen zu ganz ähnlichen Schlüssen.

 

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