Diesel-Umtauschprämie: Belastung oder Konjunkturprogramm?

Für die deutsche Autoindustrie hätte es schlimmer kommen können. Die neuen Diesel-Beschlüsse der Koalition werden in ihren Auswirkungen auf die Autobauer wohl überschaubar bleiben. Denn die verlangten Umtauschprämien und Nachrüstprogramme für ältere Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 werden auf die 14 deutschen Städte mit der höchsten Schadstoffbelastung beschränkt. Damit fällt etwa Frankfurt, wo in den vergangenen Wochen intensiv über Fahrverbote diskutiert wurde und das nach Einwohnern auf Patz fünf in Deutschland, nach Einpendlern sogar auf Platz zwei steht, gar nicht in die Liste der betroffenen Städte.

Die genannten 14 Städte haben zusammen knapp sieben Millionen Einwohner, repräsentieren also weniger als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Selbst wenn man die umliegenden Landkreise wie vorgesehen mit einbezieht, werden wohl deutlich weniger als 20 Prozent der Deutschen mit älterem Dieselfahrzeug in den Genuss einer Prämie oder einer kostenlosen Umrüstung kommen.

Dennoch könnte das Programm merkliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen haben. Geht man davon aus, dass immerhin ein Drittel der Berechtigten das Angebot zu Umtausch oder Nachrüstung annimmt, dürften rund 500.000 Fahrzeuge betroffen sein. Das ist, in Relation zu den gesamten PKW-Neuzulassungen von rund 3,5 Millionen im vergangenen Jahr, schon eine beachtliche Anzahl.

Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt könnte das Programm damit zu einem zusätzlichen Wachstumseffekt von 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten führen. Dies gilt allerdings nur unter der Annahme, dass die Berechtigten von der Möglichkeit zum Umtausch und nicht von der technischen Nachrüstung Gebrauch machen. Bislang scheinen einige Autohersteller die Nachrüstung ja generell abzulehnen und ganz auf Umtauschprämie und Flottenerneuerung zu setzen. Ob die Politik eine gesetzliche Verpflichtung zur Nachrüstung plant, bleibt abzuwarten. Abzuziehen von diesem rechnerischen Wachstumseffekt wären die importierten Fahrzeuge sowie darüber hinaus die Kosten des Rabatts bzw. der Prämie, die die deutschen Autohersteller gewähren. Denn diese mindert den Unternehmensgewinn und schmälert damit die Wachstumswirkungen entsprechend.

Das Diesel-Umtauschprogramm könnte damit vielleicht sogar dem zuletzt schleppenden Autoabsatz in Deutschland wieder etwas auf die Beine helfen. Denn die Einführung eines neuen Abgas-Prüfverfahrens für PKW hat die Absatzzahlen im September 2018 erheblich einbrechen lassen und wirkt sich schon seit Juli dämpfend auf die Industrieproduktion aus. Ob das Programm aber für den Autosektor unter dem Strich zu einem willkommenen Nachfrageschub oder einer kostensteigernden Belastung wird, hängt sowohl von der genauen Ausgestaltung als auch der Inanspruchnahme durch die Besitzer von älteren Dieselfahrzeugen ab.

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Ein Kommentar

Es ist ja manchmal nicht zu glauben, was unsere Politiker tun, um die Politikverdrossenheit weiter voranzutreiben.
Sind denn die anderen Dieselfahrer auf dem Land und außerhalb der 14 schadstoffbelasteten Städte nicht betrogen worden?

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