Kryptowährungen & Regulierung: Vertrauen ist schlecht, Kontrolle ist besser

Kryptowährungen sind nach wie vor in jedermanns Munde. Idealisten sehen darin eine Alternative zum traditionellen Geldsystem, Kritiker hingegen den Inbegriff einer Blase. Vertreter von Regierungen, Notenbanken und Aufsichtsbehörden zufolge sind Bitcoin & Co. hoch spekulativ, anfällig für Kriminalität und beinhalten Risiken für das gesamte Finanzsystem. Folglich herrscht Einigkeit dahingehend, dass eine Regulierung erforderlich ist. Auf nationaler Ebene ist bereits eine Vielzahl regulatorischer Entschlüsse gefasst worden. Diese reichen von Warnungen bis hin zu Verboten. Zwar sind auch länderübergreifend Fortschritte zu erkennen. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine internationale Koordination angesichts der von Landesgrenzen unabhängigen „Virtual Currencies“ unerlässlich für eine funktionierende Regulierung ist.

Die Europäische Union zeigt sich dabei als Pionier der Kryptowährungs-Regulierung über Ländergrenzen hinweg. Mit dem Inkrafttreten der 5. EU-Geldwäscherichtlinie in diesem Jahr wird ein einheitlicher Umgang mit Kryptowährungen in den (noch) 28 Mitgliedsstaaten einhergehen. Nicht nur werden Virtual Currencies eindeutig definiert, zudem fallen auch Kryptowährungs-Börsen und Treuhand-Wallets in den Bereich der Regulierung. Kundensorgfaltspflichten (Identifikation, Überwachung der Geschäftsbeziehung) müssen eingehalten und verdächtige Transaktionen gemeldet werden. Kleiner Wermutstropfen: die Mitgliedsstaaten haben bis Mitte 2020 Zeit, die neuen Standards in nationales Recht umzuwandeln.

Abstimmung auf globaler Ebene fehlt weiterhin

Auch die G20 beraten über einen gemeinsamen und damit die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt betreffenden Regulierungsansatz. Bis alle Beteiligten zufrieden sind und ihre Interessen angemessen vertreten sehen, wird jedoch wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen. Für eine stärkere internationale Zusammenarbeit ist der Druck offensichtlich noch nicht groß genug. Dies könnte sich ändern, sollten Kryptowährungen weiter an Relevanz hinzugewinnen und gesetzlichen Zahlungsmitteln zukünftig in direkter Konkurrenz gegenüberstehen. Der wichtigste Schritt für eine langfristige Regulierung ist daher momentan ein kontinuierliches Monitoring des Kryptowährungs-Marktes, um dessen Bedeutung für das Finanzsystem insgesamt angemessen zu erfassen. In der Zwischenzeit wäre es ratsam, über Mindestkapitalanforderungen, Konsumentenschutz und Marktmissbrauchsverordnungen zu beraten.
Für die Kursentwicklung von Kryptowährungen ist eine stärkere Regulierung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sehen Gegner des etablierten Finanzsystems unter den Mitgliedern der Kryptowährungs-Community dadurch die Basis von Bitcoin & Co. in Gefahr. Andererseits dürfte es schwer werden, traditionelle Investoren ohne klare Rahmenbedingungen zum Markteintritt in nennenswertem Umfang zu bewegen. Ein weltweit oder zumindest in den bedeutendsten Industrienationen einheitlicher Regulierungsansatz hätte folglich durchaus das Potenzial, Hoffnungen zugunsten eines größeren Engagements etablierter Finanzinstitute und der Etablierung eines breiten Spektrums an Finanzprodukten (bspw. ETFs) im Segment der Kryptowährungen zu schüren. In den vergangenen Monaten hatten Bitcoin & Co. in aller Regel mit Kurssteigerung auf derartige Perspektiven reagiert.

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