Bisher nur moderater Lohnanstieg in den USA, trotz anhaltenden Beschäftigungsaufbaus

Auch im September sind in den Vereinigten Staaten die Löhne nur um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Auf Jahressicht entspricht das einem Lohnplus von 2,8 Prozent. Damit bleiben die Steigerungsraten weiterhin hinter den Zuwächsen in früheren Konjunkturaufschwüngen zurück. Ohne Zweifel spielt dabei die Tiefe der vorausgegangenen Krise eine große Rolle. So waren doch einige Jahre mit hoher Arbeitslosigkeit die Folge der letzten Rezession, vorübergehend lag die Arbeitslosenquote sogar im zweistelligen Bereich.

Dennoch – der Zusammenhang, dass die Verknappung von qualifizierten Arbeitskräften zu steigenden Lohnforderungen führt, gilt auch heute noch. Am Ende dieses Jahres dürfte ein durchschnittlicher Lohnzuwachs von knapp drei Prozent zu Buche stehen, und damit höher ausfallen als im Jahr 2017 (2,5 %). Nach unserer Einschätzung wird durch die sehr niedrige Arbeitslosigkeit die Lohndynamik weiter anziehen und 2019 wohl bereits bei rund 3,5 Prozent liegen. Auch wenn die Raten damit immer noch nicht den Anschluss an frühere Boom-Zeiten finden, so baut sich doch ganz allmählich Druck von den Löhnen auf. Dies dürfte sich dann letztendlich auch auf den Auftrieb bei den Verbraucherpreisen auswirken. Die US‑Notenbank zeigt mit ihrem moderaten Straffungskurs, dass sie sich dieser Risiken durchaus bewusst ist.

Die jüngst vorgelegten Zahlen zur Lohnentwicklung untermauern zwar nicht das Risiko von deutlichen Steigerungsraten, ein Hinweis in diese Richtung kommt jedoch vom erneuten Rückgang der Arbeitslosenquote. Mit einem Wert von nur 3,7 Prozent wird für September der niedrigste Wert seit Herbst 1969 ausgewiesen. Es wurden erstmals seit dem Jahr 2000 weniger als sechs Millionen Arbeitslose gezählt. Im September 2012 waren noch mehr als doppelte so viele US-Bürger arbeitslos!

Der Stellenaufbau lag im September nur unwetterbedingt unter den Erwartungen. Der bereits zuvor als kräftig ausgewiesene Beschäftigungsanstieg in den beiden Vormonaten wurde jedoch nach oben revidiert. Im dritten Quartal sind also monatlich jeweils knapp 190.000 neue Stellen entstanden, dies ist für die US-Wirtschaft eine mehr als auskömmliche Quartalsbilanz.

Nicht nur die hohen Niveaus der Stimmungsumfragen sprechen dafür, dass die US-Konjunktur ihren Schwung behält. Im kommenden Jahr rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent, das damit nur leicht hinter diesem Jahr zurückbleiben dürfte. Der robuste Beschäftigungsaufbau wird sich folglich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Dabei dürfte allerdings der wachsende Mangel an qualifizierten Kräften etwas bremsen, während die Lohnforderungen steigen.

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