Dr. Kupfer stellt nicht immer die richtige Diagnose

Der Kupferpreis ist in den letzten Monaten deutlich unter Druck geraten. Im Vergleich zu seinem Sommerhoch stürzte er um etwa 16% auf aktuell 6.200 USD je Tonne ab. Da Kupfer in ganz unterschiedlichen Branchen, wie etwa der Elektrotechnik, Bauwirtschaft und Telekommunikation eingesetzt wird, gilt „Doktor Kupfer“ als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Daher findet ein solcher Preissturz auch eine hohe Beachtung unter den Anlegern.

Dr. Kupfer funktioniert durchaus als Frühindikator, allerdings haben wir aktuell Zweifel, ob die Diagnose des weltwirtschaftlichen Gesundheitszustandes korrekt ist. Die spürbare Preiskorrektur ist nämlich aus unserer Sicht überwiegend auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China zurückzuführen. Die dadurch entstandenen Unsicherheiten schürten Ängste, dass sich die chinesische Kupfernachfrage womöglich deutlich abschwächen könnte. Da China mehr als 50% der globalen Nachfrage stellt, kann nicht verwundern, dass sich daraufhin insbesondere die spekulativen Großanleger von Kupfer trennten und den Preis damit drückten. Allerdings hat sich diese Nachfrageschwäche in China nicht eingestellt. Fallende Lagerbestände und anziehende Kupferprämien, die für eine physische Lieferung gezahlt werden müssen, sind beides Anzeichen einer sehr robusten Nachfrageentwicklung im Reich der Mitte. Die Befürchtungen des Marktes waren also völlig übertrieben. Der Markt beginnt das zu realisieren und es setzte bereits eine leichte Preiserholung ein.

Aber auch auf globaler Ebene haben sich die fundamentalen Daten nicht sonderlich verändert. So fallen beispielsweise die an der Londoner Metallbörse registrierten Bestände seit geraumer Zeit, was eher auf eine sich anspannende Marktlage hindeutet. Für das kommende Jahr rechnet die International Copper Study Group („ICSG“) sogar mit einem Marktdefizit (Nachfrage > Angebot). Vor dem Hintergrund der soliden fundamentalen Ausgangslage rechnen wir damit, dass sich die laufende Preiserholung bei Kupfer fortsetzen wird. Zudem existiert auch noch der Joker, dass es nach den US-Kongresswahlen zumindest eine Annäherung im Handelskonflikt zwischen den USA und China gibt.

 

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