Währungsmanipulation in Theorie und Praxis

In Kürze stellt das US-Finanzministerium seinen halbjährlichen Bericht zur Währungsmanipulation vor. Darin wird geprüft, inwiefern sich die wichtigsten Handelspartner der USA durch unlautere Beeinflussung ihrer Währungen einen Vorteil verschafft haben. Dieser Bericht erfährt angesichts des aktuellen Handelsstreits eine noch höhere Aufmerksamkeit als sonst. Wenn bereits die unspezifische Angst vor einer weiteren Eskalation am letzten Mittwoch für starke Kurseinbußen an den US-Börsen gesorgt hat, welche Sprengkraft hätte dann denn wohl die ultimative Kampfansage gegen China in Sachen Währung? Präsident Trump macht keinen Hehl aus seiner Haltung gegenüber China; ginge es alleine nach ihm, wäre die offizielle Brandmarkung längst erfolgt. Allerdings liegt die Hoheit über FX-Fragen, und somit dieser Bericht, in den Händen des Finanzministeriums, das einen klar definierten, quantitativen Kriterienkatalog hat, bei dem es nicht um „gefühlte“ Benachteiligung geht, sondern um eindeutig messbare Aspekte. Geprüft wird, ob ein Land:

» einen „signifikanten“ bilateralen Handelsbilanzüberschuss mit den USA hat, wobei „signifikant“ als über 20 Mrd. USD definiert ist.

» einen „materiellen“ Leistungsbilanzüberschuss zum Rest der Welt hat, wobei der Schwellenwert für „materiell“ auf mehr als 3% vom BIP gesetzt wurde.

» anhaltend und einseitig am Devisenmarkt interveniert, mit einer Grenze von 2% des BIP des Landes über einen Zeitraum von zwölf Monaten.

Wenn die US-Seite behauptet, dass China regelmäßig geistiges Eigentum verletzt, grundlegende Menschenrechte missachtet und seine Wirtschaft mit unangemessenen Subventionen aufbläht, oder die Basis der Industriepolitik „Made in China 2025“ in Frage stellt, können wir dies nachvollziehen. Noch im letzten Jahrzehnt hätten wir auch den Vorwurf der unzulässigen Beeinflussung des Wechselkurses durch massive Interventionen mit dem Ziel der Förderung des chinesischen Exportsektors ohne Einschränkung unterschrieben. Doch diese Zeiten haben sich geändert. Wertet der Yuan derzeit denn nicht massiv ab? Ja, das tut er. Aber nicht jede Abwertung ist wirtschaftspolitisch bewusst herbeigeführt und eine unangemessene „kompetitive Abwertung“. Die öffentliche Meinung gegenüber China dürfte wesentlich von der Kursentwicklung in USD-CNY geprägt sein, und ein Minus von 10% innerhalb eines halben Jahres ist ein schwerer Vorwurf. Damit ist der Yuan angesichts der globalen USD-Stärke aber nicht allein. Eine genauerer Blick auf die Datenlage deckt auf, dass Chinas Währung (je nach Vergleichsgruppe) entweder weitaus weniger abwertet als vergleichbare Währungen oder zumindest genau im Durchschnitt liegt, keinesfalls aber besonders negativ auffällt.

Die Beurteilung der tatsächlichen Wechselkursentwicklung ist aber ohnehin kein Kriterium, das das US-Finanzministerium für seine Manipulations-Überprüfung heranzieht. Wir gehen davon aus, dass das US-Treasury in seinem Bericht China vom Vorwurf der Manipulation freisprechen wird, da es das Kriterium der „anhaltenden Intervention“ nicht erfüllt. Denkbar ist, dass die Offiziellen eine Überarbeitung des Kriterienkatalogs für die Zukunft ankündigen, um ihrem Präsidenten entgegenzukommen. Fast ebenso sicher sind wir uns nämlich darin, dass der Präsident es nicht auf sich sitzen lassen wird, dass China ungeschoren davonkommt. Vor den Zwischenwahlen im November dürfte Trump keine Gelegenheit auslassen, seinen erbitterten Kampf gegen die mutmaßlich unfaire Behandlung der USA durch China offen zur Schau zu stellen.

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