Warum läuft der DAX 2018 so schlecht?

Der DAX hat in diesem Jahr elf Prozent eingebüßt, der S&P 500 hingegen fünf Prozent zugelegt. Eine ähnlich hohe Kursdiskrepanz zwischen den Aktienleitindizes in Deutschland und den USA war zuletzt in den Jahren 2002 und 2011 zu beobachten. Die schlechtere Kursentwicklung in diesem Jahr ist allerdings nicht nur beim DAX zu beobachten, sondern auch allen anderen großen europäischen Aktienindizes. Die Spannweite der Kursverluste reicht von minus fünf Prozent (Frankreich) bis minus zwölf Prozent (Italien). Auch in China und den Emerging Marktes haben die Kurse in diesem Jahr deutlich an Boden verloren.
Andersherum formuliert: Nur die US-Aktienindizes notieren 2018 im grünen Bereich. Die Begründung für die gute Entwicklung an den US-Märkten haben wir an dieser Stelle mehrfach vorgestellt. Diese lautet (in Kurzform): Eine gute Branchenkonjunktur in den US-Schlüsselsektoren Technologie, Banken und Erdöl treibt die Gewinne. Zusätzlich wurde der breite US-Markt in diesem Jahr durch die Steuersenkungen der Trump-Administration angeschoben, was den Aktienmärkten ein überdurchschnittliches Gewinnplus bescherte. Weder dieser starke fiskalische Impuls noch die hohe Qualität an Einzeltiteln ist derzeit in Europa zu finden, weshalb die Börsen diesseits des Atlantiks den USA hinterherlaufen.

Das starke Abfallen der Kursentwicklung in Europa (und im DAX) wurzelt jedoch nicht ausschließlich in den USA. Auch hat hierzulande eine Vielzahl der Unternehmen für Enttäuschungen gesorgt. Messbar ist dies an der Entwicklung der Gewinnerwartungen der Analysten. Diese wurden deutlich verfehlt.
Beispiel DAX: Anfang des Jahres gingen Aktienanalysten davon aus, dass die Gewinne 2018 der 30 DAX-Unternehmen um knapp zehn Prozent steigen würden. Die positiven Aussichten auf stark steigende Unternehmensgewinne war im Übrigen auch die Grundlage für unsere DAX-Prognose aus dem Dezember des vergangenen Jahres, in der wir den deutschen Leitindex zum Jahresultimo 2018 bei 14.000 Punkten erwartet hatten, also deutlich zu hoch. Diese Gewinnprognosen haben sich als deutlich zu optimistisch entpuppt. Die zahlreichen politischen Konflikte, die in diesem Umfang nicht erwartet wurden, insbesondere befeuert von US-Präsident Trump, machten eine deutliche Expansion der Unternehmensgewinne innerhalb Europas unmöglich. Tatsächlich konnten die DAX-Unternehmen bis dato keine Gewinnsteigerungen, sondern lediglich stagnierende Gewinne vermelden. Allerdings zeigt der Blick auf die nachstehende Tabelle, dass nicht nur makroökonomische und politische Faktoren die Gewinnentwicklung belastete, sondern auch zahlreiche branchen- und/oder unternehmensspezifische Umstände (z.B. Deutsche Bank, Deutsche Post, ThyssenKrupp).

 

Wie geht es weiter?
Bei den Gewinnschätzungen ist mit Blick auf das anstehende Zahlenwerk für das dritte und vierte Quartal nun sogar ein Abdriften in den negativen Bereich möglich. Dies liegt unter anderem daran, dass die gegenseitigen verhängten Strafzölle zwischen den USA und China erst seit dem Juli 2018 gelten – also bisher noch keinen Niederschlag in den Quartalszahlen gefunden haben.
Für die Aktienmärkte bleiben wir jedoch mit Blick auf 2019 positiv, zum einen weil wichtige Eckvariablen wie eine gut laufende Konjunktur und eine günstige Aktienmarktbewertung weiterhin wirken und zum anderen, weil die jüngste Aktienmarktkorrektur nach unten übertrieben erschien.

 

 

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