Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen.

Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist.

Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor Brunson, der Auslöser für die Eskalation der diplomatischen Spannungen war, Mitte Oktober in die USA ausreisen durfte. In öffentlichen Botschaften der Staatspräsidenten Trump und Erdogan war daraufhin wieder von „zwei Alliierten“ und „großartigen Beziehungen“ die Rede, zu denen dies führen könnte. Von diesen Anzeichen einer Entspannung konnte nicht nur die Lira profitieren. Vielmehr hat sich das Umfeld für Schwellenländerwährungen insgesamt spürbar aufgehellt. Dies wirkte sich auch stützend auf die Währung Südafrikas aus. Die Bemühungen des dortigen Präsidenten Ramaphosa, sein Land für internationale Anleger attraktiver zu machen, wurden in den vergangenen Monaten durch globale Vorgaben überschattet. In einem allgemein ruhigeren Umfeld an den Finanzmärkten sollte dessen Fokussierung auf eine solide Haushaltspolitik und den Kampf gegen die Korruption wieder stärker honoriert werden.

Gänzlich vom Eis ist die Kuh damit zwar sicherlich noch nicht, schließlich bestehen sowohl in Südafrika als auch der Türkei weiterhin erhebliche politische und ökonomische Herausforderungen. Die Vorzeichen haben sich allerdings jüngst spürbar verbessert. Für risikofreudige Investoren erscheint ein Engagement in südafrikanischen und türkischen Staatsanleihen zum aktuellen Zeitpunkt unseres Erachtens attraktiv. Dies liegt zu einem großen Teil an der üppigen Rendite, die entsprechende Anleihen momentan abwerfen und eine angemessene Kompensation für die mit dieser Investition einhergehende Unsicherheit darstellen. Voraussetzung dafür, dass dieses insgesamt positive Bild zutrifft, ist dabei sicherlich, dass die Turbulenzen der vergangenen Monate nicht erneut und nachhaltig eskalieren.

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