Auch im dritten Quartal zeigte die US-Wirtschaft solides Wachstum – werden die Wähler dies honorieren?

Die US-Statistik weist für das dritte Quartal ein deutliches Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent aus. Dabei wird – anders als in Europa – grundsätzlich das annualisierte, also das auf das Jahr hoch gerechnete Wachstum veröffentlicht. Im Vergleich zum kräftigen zweiten Quartal, als eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 4,2 Prozent zu Buche stand, ist das nur eine leichte Verlangsamung. Hierfür hat vor allem, der üblicherweise als Tempomacher fungierende, private Konsum gesorgt, bei dem die Dynamik sogar noch zulegte. Die Konsumtätigkeit lieferte deshalb allein etwas mehr als zwei Drittel des Wachstums. Wir rechnen im laufenden und in den kommenden Quartalen mit einer ähnlichen Entwicklung, dafür spricht die prächtige Stimmung bei den Verbrauchern und die historisch gute Beschäftigungslage.

Die Stagnation bei den Investitionen in Maschinen gibt nach unserer Einschätzung wenig Anlass zur Besorgnis, da diese doch zuvor sechs Quartale in Folge deutlich gewachsen sind. Für eine weiterhin robuste Investitionstätigkeit der Unternehmen spricht vor allem der erneut kräftige Anstieg der Investitionen in Computerprogramme und auch in „Forschung & Entwicklung“. Als Manko könnte eher der vergleichsweise deutliche Wachstumsbeitrag durch die Aufstockung der Läger gesehen werden. Allerdings waren diese in den vorausgegangenen Quartalen sichtbar abgebaut worden, sodass wir darin eine wenig überraschende Korrektur sehen. Auch in dem Rückgang der Güterexporte sehen wir eine Reaktion auf einen Sondereffekt vom zweiten Quartal. In Q2 war es wegen den drohenden Strafzöllen im Handelskonflikt mit China zu einem deutlichen Anstieg bei den Exporten gekommen.

Für die Notenbank besteht aufgrund der jüngsten Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den USA kaum ein Anlass ihren moderaten Straffungskurs zu verlassen. Spannender ist sicher die Frage, ob sich die insgesamt gute wirtschaftliche Lage bei den Zwischenwahlen am 6. November zugunsten der republikanischen Politiker auswirken wird, die für den Kongress kandidieren. Derzeit haben die Republikaner ja die volle Mehrheit im Kongress, also im Senat und im Repräsentantenhaus. Dadurch konnte Präsident Trump zahlreiche seiner Wahlversprechen, wie beispielsweise eine umfangreiche Steuersenkung umsetzen. Die jüngsten Daten zur US-Wirtschaft haben auch gezeigt, dass im dritten Quartal auf den unteren kommunalen Ebenen zahlreiche Investitionen umgesetzt wurden. Es ist sicher kein Zufall, dass dies so unmittelbar vor der Kongresswahl geschehen ist und dient dem Zweck, Wählerstimmen zu gewinnen. Da das Land aber bei anderen Themen wie Migration und dem Handelsstreit mit Europa und China tief gespalten ist, könnte es auch passieren, dass der wirtschaftliche Wohlstand in der nächsten Woche von den Wählern nicht entsprechend honoriert wird.

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