Wirtschaftswachstum im Euro-Raum halbiert, italienische Wirtschaft stagniert

Das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum hat in letzten Quartal spürbar an Dynamik verloren. Damit wird das Ende der Phase der Hochkonjunktur im Euro-Raum immer greifbarer. So lag das Wirtschaftswachstum im abgelaufenen dritten Quartal nur bei einer Rate von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Frühjahr wurde immerhin noch ein Zuwachs von 0,4 Prozent gemessen. Dabei sehen zumindest zwei der drei ersten verfügbaren Länderdaten der größeren Euroländer eigentlich ganz solide aus.

So konnte Frankreichs Wirtschaft den Zuwachs auf 0,4 Prozent ausbauen, nachdem im zweiten Quartal noch vergleichsweise maue 0,2 Prozent vermeldet werden. Allerdings steckt hinter dieser Beschleunigung ein wenig überraschender Nachholeffekt nach einem umfangreichen Bahnstreik, der den Zuwachs der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal noch merklich ausbremste. Die Erholung blieb jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück.

Auch aus dem Nachbarland Belgien konnte ein leicht stärkerer Anstieg des vierteljährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,3 auf 0,4 Prozent vermeldet werden. Dabei dürften höhere staatliche Investitionen im Vorfeld der Kommunalwahlen Mitte Oktober den Wachstumsmotor angekurbelt haben. Diese Entwicklung wurde auch in früheren Wahlkampfphasen beobachtet.

Beunruhigend ist jedoch die Tatsache, dass das drittgrößte Euroland Italien nicht den Weg aus den Negativschlagzeilen findet. So steht es doch derzeit wegen der expansiven Fiskalpolitik der neuen Regierung bereits im Rampenlicht und befindet sich im Konflikt mit Brüssel. Ein Kritikpunkt sind dabei die optimistischen Wachstumsannahmen, die den Haushaltsplänen der Regierung zugrunde liegen. Die heute veröffentlichten BIP-Daten bestätigen diese Bedenken, denn dem Quartalsergebnis zufolge ist die italienische Wirtschaft im dritten Quartal nicht gewachsen. Nachdem sich das Wachstumstempo bereits im zweiten Quartal von 0,3 auf 0,2 Prozent verringert hatte, wurde zuletzt also nur noch Stillstand verzeichnet.

Mit der heutigen Veröffentlichung stehen jedoch nur eine Handvoll Länderdaten zur Verfügung. Das Gros wird erst am 14. November veröffentlicht, dann wird mit Spannung auch das Ergebnis für Deutschland erwartet. Denn auch hier kann mit einer verlangsamten Wachstumsrate gerechnet werden. Darauf deuten unter anderem die schwachen Produktionszahlen aus der Industrie hin. Insbesondere die Folgen des Dieselskandals haben der für Deutschland wichtigen Autoindustrie zuletzt offenbar stärker zugesetzt.

Ein Ende der abgeflachten Konjunkturdynamik lässt sich für den Euro-Raum derweil nicht ausmachen. Das signalisieren erste vorausschauende Indikatoren. So deuten sowohl der DZ BANK Euro-Indikator, aber auch das heute veröffentlichte Wirtschaftsvertrauen der EU‑Kommission und der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex von IHS Markit für das laufende Quartal kaum eine Erholung an. Dies entspricht so auch unserem Bild: Für das laufende Jahr sehen wir ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent und für 2019 eine weitere Verlangsamung auf 1,5 gegenüber dem Vorjahr. Noch in 2017 wurde ein vergleichsweise kräftiges Plus von 2,4 Prozent erwirtschaftet.

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