Restriktive Geldpolitik = Rezession?

US-Präsident Trump hat den momentanen Leitzinserhöhungskurs der US-Notenbank als „verrückt“ bezeichnet und damit wiederholt seine Unzufriedenheit mit dem in Aussicht gestellten graduellen Zinsanhebungspfad zum Ausdruck gebracht. Trump befürchtet, dass hierdurch die konjunkturelle Dynamik leiden könnte. Tatsächlich nimmt die Fed Kurs in Richtung Normalisierung der Geldpolitik, nachdem diese rund zehn Jahre teils sehr expansiv ausgerichtet war. Nicht allein aufgrund der Äußerungen des US-Präsidenten dürfte auf Sicht der kommenden Monate wohl eines der wichtigsten Themen am Finanzmarkt bleiben, wie lange die Fed an ihrem Leitzinserhöhungszyklus festhalten wird. Auch bei den Marktteilnehmern kommen vereinzelt Befürchtungen auf, die Fed könnte die geldpolitischen Zügel zu stark anziehen und hierdurch die wirtschaftliche Dynamik abbremsen. Die Ängste vor einer übertriebenen geldpolitischen Straffung kommen nicht von ungefähr: Tatsächlich zeigen die Zinserhöhungszyklen der Fed in der Vergangenheit, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik in einem entscheidenden Maße darüber bestimmt, wann der Aufschwung (Boom) in den nächsten Abschwung (Bust) umschlägt.

Die größte Herausforderung der Fed dürfte sein, Preis- sowie mögliche Überhitzungsrisiken frühzeitig einzudämmen und dabei die konjunkturelle Entwicklung nicht zu gefährden. Zweifelsohne ist dies keine leichte Aufgabe. So zeigt die Vergangenheit, dass ein Trend zu höheren (beziehungsweise niedrigeren) Inflationsraten oftmals eine gewisse Persistenz aufweist. Auf der anderen Seite wirken geldpolitische Anpassungen mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung. Letzten Endes muss die Fed im aktuellen Umfeld abwägen, wie stark das mittelfristige Anstiegspotenzial bei der Inflation ausfällt und ob es in Teilbereichen der Wirtschaft zu übertriebenen Preissteigerungen gekommen ist. Hierbei dürften die obersten Währungshüter die relevanten Wirtschaftsindikatoren im Auge behalten. Die niedrige Arbeitslosenquote sowie der günstige Beschäftigungstrend spiegeln zwar tendenziell ein nachfragegetriebenes Inflationspotenzial (demand pull inflation) wider. Aufgrund des nur moderaten Lohnanstiegs dürfte sich jedoch das Risiko für kräftige Inflationsschübe in Grenzen halten. Die Wirtschaftspolitik der Regierung von Trump kann dagegen inflationsfördernd wirken. So dürfte es unbestreitbar sein, dass von den fiskalpolitischen Ausgaben im Ganzen ein expansiver Konjunkturimpuls ausgeht. Nicht zuletzt haben verschiedene Unternehmen aufgrund der tarifären Handelshemmnisse höhere Kosten verzeichnet, die sich noch nicht im allgemeinen Preisumfeld niedergeschlagen haben. Insgesamt hat in der Vergangenheit eine expansive Geldpolitik im Zusammenwirken mit einer gleichgerichteten Fiskalpolitik regelmäßig zu sichtbaren Inflationsschüben geführt. Dass die Fed in diesem Umfeld zwar vorsichtig agiert, aber die Leitzinsen trotzdem zumindest leicht in den restriktiven Bereich anhebt, dürfte nicht überraschen. Diese Leitzinserhöhungen dürften maßgeblich dazu beitragen, die Inflationserwartungen zu verankern. Eine dadurch erreichte Erhaltung der Preisstabilität bringt höhere Wohlfahrt, als sich mit zu niedrigen Leitzinsen der Gefahr auszusetzten, später und dann umso kräftiger auf die geldpolitische Bremse treten zu müssen. Nicht zuletzt geben die Realrenditen, das nominelle Wirtschaftswachstum sowie die Stabilität der Finanzmarktindikatoren trotz der jüngsten Aktienmarktvolatilität derzeit weitere Leitzinserhöhungen her. Die US-Notenbank hat jedoch bislang kein deutlich restriktives geldpolitisches Niveau – wie in der Vergangenheit üblich – in Aussicht gestellt. Ähnlich den Prognosen der Währungshüter gehen wir ebenfalls nicht davon aus, dass auf Sicht der kommenden Monate die Inflationsdynamik so stark zunehmen wird, dass die Fed gezwungen wäre, präventiv gegenzusteuern. Wir erwarten, dass der Zinserhöhungszyklus bei einem Niveau von rund 3,5% enden wird. Leitzinserhöhungen leicht oberhalb des neutralen Niveaus dürften den konjunkturellen Ausblick nicht nachhaltig gefährden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.33

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *