Nach den Wahlen in den USA: Trump behält seinen Kurs wohl bei

Bei den Zwischenwahlen haben die Republikaner, also die Partei des derzeitigen US-Präsidenten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren. Im Senat, der zweiten Kongresskammer, konnten sie hingegen ihre zuvor sehr knappe Mehrheit etwas ausbauen. Demnach wird zukünftig das Regieren für Donald Trump schwieriger, da in der Regel Gesetzesänderungen die Zustimmung in beiden Kammern erhalten müssen.

Trotz des Machtverlustes ist damit zu rechnen, dass Trump seinen eingeschlagenen Kurs „America first“ beibehalten wird. Es könnte durchaus passieren, dass er einer stärkeren parlamentarischen Kontrolle eine noch schärfere Rhetorik entgegensetzt. Letztendlich ist aber davon auszugehen, dass er es nicht riskieren wird, den konjunkturellen Schwung abzuwürgen. Diese Gefahr würde entstehen, wenn es zu einer starken Verunsicherung bei den Konsumenten und den Unternehmern kommt. Ein möglicher Auslöser hierfür wären drohende deutliche Kostensteigerungen auf der Importseite als Folgen von hohen Strafzöllen.

Das jüngste Wahlergebnis gibt uns kaum einen Anlass unsere Wachstumsprognose zu verändern. Nach einem deutlichen Wachstum der US-Wirtschaft in diesem Jahr um knapp drei Prozent, rechnen wir für das kommende Jahr unverändert nur mit einer leichten Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik.
Wir sehen aufgrund des Wahlausgangs weder einen Änderungsbedarf für unsere US-Leitzinsprognose noch für die Prognose der US-Renditen. Eher im Gegenteil: In dem Fall, in dem die Republikaner beide Kammern des Kongresses für sich entschieden hätten, wäre die Wahrscheinlichkeit für ein schnelles fiskalpolitisches Ausgabenprogramm wohl deutlich höher. Der zusätzliche Stimulus hätte der ohnehin dynamischen US-Konjunktur einen weiteren Impuls gegeben, mit der Gefahr, dass es zu einer konjunkturellen Überhitzung gekommen wäre. In diesem Fall hätte die Fed ein geldpolitisches Bremsmanöver vornehmen müssen. Diese Gefahr sehen wir nun gebannt, so dass die Fed ihren anvisierten Kurs in Richtung einer leicht restriktiveren Geldpolitik fortsetzen sollte.

Für die Aktienmärkte wirkt die Wahl positiv. Niedrige Zinsen, ein stabiles Wirtschaftswachstum und der Umstand, dass Trump den Erfolg seiner Wirtschaftspolitik auch am Kursstand der Aktienindizes misst, liefern Rückenwind. Die positiven Effekte aus der Steuerreform bleiben den Unternehmen erhalten, neue Extremszenarien (u.a. Intensivierung Handelskrieg, großes Fiskalprogamm) werden durch die neue politische Aufstellung unwahrscheinlicher. Zusätzlich macht der Blick in die Vergangenheit US-Aktionären Mut. Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs stiegt der S&P 500 knapp 13% in den zwölf Monaten nach den Zwischenwahlen zu Repräsentantenhaus und Senat.
Auch für unsere US-Dollar-Prognose ergibt sich nach der Wahl kein Änderungsbedarf.

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