Bitcoin in „stabiler Seitenlage“, aber noch lange nicht tot

Ende Oktober 2008 erlebte Bitcoin offiziell seine Geburtsstunde, und trotz der seither zweifelsfrei geschriebenen Erfolgsschichte dürfte sich das Urgestein der Kryptowährungen seinen zehnten Geburtstag sicherlich etwas anders vorgestellt haben – gerade vor dem Hintergrund der Euphorie, die in der zweiten Hälfte letzten Jahres aufgekommen war. Ausgehend von knapp 20.000 USD Mitte Dezember 2017 erreichte der Bitcoin-Kurs Ende Juni sein bisheriges Jahrestief knapp unter 5.800 USD. Nicht nur für Bitcoin, sondern für das gesamte Segment war das Jahr 2018 bislang eher eine Enttäuschung.

Ursachen für den Einbruch der Kurse von Bitcoin & Co. gibt es einige. Zunächst dürfte die vorübergehend aufgekeimte Erwartung eines zeitnah bevorstehenden Siegeszuges von Kryptowährungen gegenüber traditionellem Geld übertrieben gewesen sein. Selbiges gilt für die Hoffnung, dass etablierte Investoren und Finanzhäuser in großem Stil in das Segment einsteigen würden. Das derzeitige, von diversen globalen Unruhequellen und einer restriktiver werdenden US-Geldpolitik geprägte Finanzmarktumfeld macht es den Kryptowährungen darüber hinaus nicht gerade einfach.

Für leidenschaftliche Anhänger von Kryptowährungen sind diese Entwicklungen kein Grund, von ihrer Position abzuweichen. Sie verweisen darauf, dass Bitcoin seit Entstehung bereits mehrere solcher drastischen Auf- und Abwärtsbewegungen durchgemacht hat, ohne dass dies zum Untergang der Kryptowährung geführt hätte. Vielmehr wurden in späteren Zyklen die vorherigen historischen Höchststände deutlich übertroffen. Bitcoin werde demnach auch aus dieser Krise gestärkt hervorgehen, so die vorherrschende Einschätzung der Anhänger.

Zugunsten der Kryptowährungs-Optimisten spricht, dass sich der Bitcoin-Kurs seit dem Sommer weitestgehend über der Marke von 6.000 USD stabilisiert hat. Darüber hinaus hat die Schwankungsanfälligkeit – ein zentraler Kritikpunkt vonseiten der Skeptiker – erheblich nachgelassen. Im November fiel die historische Einmonats-Volatilität sogar unter diejenige des US-amerikanischen Leitindizes S&P 500, ein äußerst seltenes Ereignis. Dabei ist es keineswegs so, dass Bitcoin nicht mehr gehandelt würde. Vielmehr hat das Volumen der täglichen Transaktionen in den vergangenen Monaten wieder spürbar zugenommen und am 12. November erstmals seit Jahresbeginn wieder die Marke von 300.000 überschritten (zum Vergleich: im April lag der Wert teils unter 150.000). In vergleichbaren Größenordnungen bewegte sich das Transaktionsvolumen über weite Strecken des Jahres 2017.

Fazit
Unterstützer und Kritiker von Kryptowährungen stehen sich auch nach den Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate weiter unversöhnlich gegenüber. Während Kryptowährungs-Gegner in den Kursverlusten seit dem vergangenen Jahreswechsel den Anfang vom Ende gekommen sehen, argumentieren Befürworter, dass es sich lediglich um eine weitere Phase der Konsolidierung handelt, auf die früher oder später die nächste Aufwärtsbewegung aufsetzen wird. Festhalten lässt sich, dass die Aufmerksamkeit in den Medien zwar erheblich nachgelassen hat, Kryptowährungen aber weiterhin in nennenswertem Umfang gehandelt werden. Anlass für einen Abgesang auf Bitcoin & Co. gibt es demnach nicht. Unseres Erachtens fehlt es jedoch weiterhin an sinnvollen Einsatzgebieten im alltäglichen Gebrauch, die deutliche Wertsteigerungen auf Dauer rechtfertigen würden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.50

Ein Kommentar

Rüdiger Nowak-Roggenkamp

m.E. gäbe es genügend Einsatzgebiete für eine Kryptowährung. Eben genau diese, die es für jede staatlich regulierte Währung auch gibt. An Anwendungsfällen mangelt es uns also nicht. Abgesehen von der Volatilität des Bitcoin und der anderen Kryptowährungen gibt es aus heutiger Sicht rein technische Fakten, mit welchen sich das System Bitcoin selbst sehr stark limitiert, d.h. eine allgemeine Anwendung aus praktischen Gründen ausschließt.
– per Spezifikation des Bitcoin benötigt es ca. 10 min pro Transaktion an Mining-Zeit, was die Anzahl der möglichen Transaktionen deutlich einschränkt. Mit dieser Beschränkung ist es sicher nicht möglich, auch nur einen kleineren Teil des heutigenTransaktionsvolumens auf Basis des Bitcoin abzuwickeln.
– ebenfalls per Spezifikation des Bitcoin wird, je mehr Bitcoins in der Vergangenheit geschürft wurden, eine signifikant steigende Rechenleistung pro Transaktion fürs Mining benötigt. Der extrem hohe Energieverbrauch für das Bitcoin-Mining steht heute schon in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zum mageren Ergebnis.
Mein persönliches Fazit ist, dass es für den Einsatz der Blockchain-Technologie durchaus sinnvolle Anwendungen geben kann und wird, ob nun in der Logistik, dem Versicherungswesen, der Medizin, und sicher noch vielen weiteren Gebieten. Ob sich die Basistechnologie der Blockchain in Zukunft dahingehend entwickelt, die aktuellen technischen Limits zu überwinden, werden wir in Zukunft sehen. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass das nicht der Fall sein wird. Auch das Auto oder der Computer sind zu ihrer Einführung nicht als wirklich praktikable Produkte auf den Markt gekommen.
Abgesehen von der technischen Transaktionsabwicklung würde ich es mir jedenfalls wünschen, wieder eine geldmengenbegrenzte Währung zur Verfügung zu haben. Durch welche Mechanismen diese Begrenzung absolut oder im Wachstum erreicht werden kann, ist sicher diskussionswürdig. Es ist wirklich an der Zeit, uns konstruktiv dieser Frage zu stellen, da das Fiat-Geld nun mal zum exzessiven staatlichen Schuldenmachen, heutzutage leider vermehrt auch aus politisch niederen Beweggründen (s. nicht nur Italien), verführt. Für den privaten Bereich sieht es vielleicht nicht ganz so düster aus, aber auch da sind wir bereits in einer erheblichen Schieflage (s. Preise für Wohneigentum und die darauf basierenden Mieten), deren rasante Entwicklung allein auf billigem Geld fußt. Wirtschaftliche Strohfeuer werden eben nicht dadurch selbsterhaltend, dass man noch mehr Stroh verbrennt. Letztlich zu unser aller Schaden. Aber das ist kein Problem, zu dessen Lösung wir unbedingt Kryptowährungen benötigten.

2. pro:

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *