Aktienmärkte – Der Pessimismus ist zu groß geworden

In den USA steigen die Zinsen nun schon seit 2015 an. Zwar befinden wir uns im flachsten Leitzinsanhebungszyklus seit 50 Jahren, aber die Zinsen steigen. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die mittel- und langfristigen Renditen, die ebenfalls angestiegen sind. Gleichzeitig verknappt die US Notenbank auch die Liquidität und baut ihre Bilanz langsam ab. Diese Entwicklung haben die Finanzmärkte und insbesondere die Aktienmärkte lange ignoriert. Diese Phase scheint nun vorbei zu sein. Die laufende Korrektur wird noch verstärkt durch ein Überdenken der Geschäftsmodelle im Technologiesektor. Die vormals erwarteten Gewinnsteigerungen werden zunehmend kritisch hinterfragt. Dazu kommen noch wachsende Sorgen, dass durch Regulierung im Datenbereich und Überlegungen, die technologischen Oligopole einzugrenzen, die Gewinnaussichten zusätzlich regulatorisch reduziert werden.
Jedoch wird aus meiner Sicht nun allmählich zu viel Pessimismus in die Märkte eingepreist. Wir befinden uns zwar in einer späten Phase des Konjunkturzyklus, allerdings gehen wir mindestens in den kommenden beiden Jahren nicht von einer US-Rezession aus. Die US-Notenbankzinsen dürften ab einem Niveau von gut 3% zu einer spürbaren Belastung für die Wirtschaft werden. Ein solches Niveau wird man aber erst Ende 2019 erreichen. Die Unternehmensgewinne sollten daher zunächst weiter steigen, wenn auch spürbar langsamer als in den letzten Jahren. Der Gegenwind von der Bewertungsseite dürfte für die Aktienmärkte auch zunehmen, da sich zum einen steigende Diskontierungssätze, sinkende Wachstumsraten und steigende Kosten negativ in den Bewertungsmodellen auswirken werden. Zum anderen erhöhen steigende Renditen mittelfristig die Attraktivität des Anleihesegments, so dass Mittel aus dem Aktiensegment abfließen werden. Mit Blick nach vorn erwarten wir somit, dass anhaltend steigende Unternehmensgewinne die US-Aktienkurse weiter unterstützen, ein tendenziell sinkendes Bewertungsniveau jedoch die Kursdynamik verlangsamen wird. Solange die Konjunktur läuft, werden auch die Aktienmärkte laufen, denn in der Regel beendet ein Konjunktureinbruch und nicht steigende Zinsen die Hausse. Ein Ende des Aktienzyklus steht somit wohl noch nicht unmittelbar bevor.

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