EZB bleibt optimistisch

Die EZB sieht trotz schwächerer Wirtschaftsdaten die Konjunktur auf einem breit angelegten Expansionspfad. Zwar gaben die Notenbank-Oberen zu Protokoll, dass Unsicherheit und Fragilität die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusse. Insgesamt seien die Wachstumsrisiken jedoch ausgeglichen. Trotz dieses Ausblicks wurde im Rahmen der September-Ratssitzung insbesondere auf die Gefahr von Protektionismus, auf die Schwäche von einigen Schwellen-ländern und die Volatilität an den Finanzmärkten hingewiesen. Die italienischen Turbulenzen standen hingegen nicht im Fokus. Zwar seien die Renditen für ein großes EWU-Land gestiegen. Die Staatsanleihen von anderen Ländern wurden hiervon jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Mit neuen Stabsprojektionen im Dezember wird die EZB ihre konjunkturelle Einschätzung nochmals auf den Prüf-stand stellen.

Die Notenbank gab sich weiterhin zuversichtlich, dass sich die Inflationsrate in Richtung des Zielwertes der Notenbank entwickele. Die enttäuschende Entwicklung bei der Kernrate sei hauptsächlich auf die Dienstleistungspreise zurückzuführen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das Lohnwachstum zugenommen habe, wenngleich die Notenbank nun einen nicht mehr ganz so engen Zusammenhang zwischen Löhnen und Inflation sieht. Im Protokoll wurde darauf hingewiesen, dass die Laufzeit einiger längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte im Jahr 2019 unter ein Jahr fallen würde. Dies könnte die Liquiditätssituation einiger Banken beeinträchtigen. Insgesamt sei das Kreditwachstum aber weiterhin positiv zu beurteilen. Vorsicht sei geboten, die Kreditbedingungen zu lockern, da hierdurch die Banken das Kreditrisiko nicht angemessen berücksichtigen könnten. Kontinuität und Beständigkeit in der Geldpolitik seien laut Accounts im aktuellen Umfeld angebracht.

Das EZB-Sitzungsprotokoll ändert unseren Ausblick für die Geldpolitik nicht. Ähnlich wie die Währungshüter sehen wir in den schwächeren Wachstumszahlen eine Konjunkturdelle, aber keine rezessiven Tendenzen. Das Wachstumsszenario in der Eurozone ist unseres Erachtens weiterhin intakt. Die EZB dürfte daher an ihrem vorgegebenen Kurs festhalten und die Nettoanleihekäufe gegen Ende des Jahres beenden. Gerade weil viele Marktteilnehmer derzeit nochmals deutlich pessimistischer sind als die EZB, bestehen kaum Zweifel, dass das Leitzinsniveau bis über den Sommer 2019 hinweg auf dem aktuellen Niveau belassen wird.

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