Bilanz der Aktienmärkte 2018: So schlecht wie zuletzt 2008

Bis zum Jahresende ist es an den Aktienbörsen nicht mehr weit. Zwar wird in der kommenden Woche noch gehandelt, aber mit verkürzter Handelszeit. Der DAX dürfte 2018 mit einem Minus um 18 Prozent abschließen, beim Euro Stoxx 50 stehen gut zwölf Prozent Verlust zu Buche.

So ein schlechtes Aktienmarktjahr gab es in Europa zuletzt 2008. In politischen und sportlichen Belangen war 2008 zwar kein außergewöhnliches Jahr – so hieß die Kanzlerin schon damals Angela Merkel und Bayern München wurde deutscher Fußballmeister. In den USA regierte George Bush der Jüngere und Blackberry-Geräte waren der Telekommunikationsstandard bei Firmen (es soll heute durchaus noch Menschen geben, die sich diese Zeiten zurückwünschen). An den Kapitalmärkten jedoch erreichte 2008 die Finanzkrise ihren Höhepunkt, der VDAX schoss auf 85 Punkte und die Konjunktur steckte bereits tief im Abschwung fest.

2018 war für die Aktienmärkte ein Jahr voller Negativrekorde. Die Marktkapitalisierung der Weltbörsen schrumpfte seit dem Hoch am 26. Januar um über 14 Billionen US (oder 15 Prozent), außerdem dürfte 2018 das erste Jahr seit 1994 werden, in dem Bargeld mehr Ertrag einbrachte als Aktien oder Anleihen. Eine umfassende Betrachtung von 70 Anlageklassen auf US-Dollar-Basis zeigt, dass 50 davon 2018 im roten Bereich liegen. Historisch verzeichnete nur jede vierte Assetklasse ein Jahresminus.

2019 dürfte sich die Lage an den Aktienmärkten wieder entspannen, aber noch nicht direkt zu Jahresbeginn. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, Schwächen in Brasilien, Argentinien und der Türkei, dazu die Unsicherheiten rund um den Brexit und der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU – für die Aktienmärkte ist das ein sehr belastender Cocktail. Ergänzt wird dieser durch strukturelle Herausforderungen in der deutschen Automobilindustrie und operative Durchhänger bei einzelnen DAX-Unternehmen. Daher haben Deutschlands größte Unternehmen im zweiten Halbjahr Gewinnwarnungen am Fließband produziert. Die DAX-Gewinne dürften 2018 rund acht Prozent gesunken sein. Eine Wende zum Besseren wird sich hinauszögern.

Wenn die Krisen nicht weiter eskalieren sollte der DAX 2019 in Richtung von 12.000 Punkten steigen und der S&P 500 auf 3.000 Punkte. Die Marktstimmung ist ausgesprochen negativ, es gibt jedoch keine Anzeichen für eine bevorstehende Rezession. Das globale Wirtschaftswachstum bleibt mit 3,6% trotz regionaler Probleme auf Kurs. Die Unternehmensgewinne in den USA und hierzulande sollten noch etwas wachsen, das hilft den Börsen. Hinzu kommt in Europa die enttäuschende Realverzinsung, so dass Anleihen keine Alternative darstellen.

Größtes mittelfristiges Risiko für die Aktienmärkte bleiben neben den politischen Risiken die steigenden Kapitalmarktzinsen in den USA. Hier droht das „boiling frog“-Syndrom, höhere Zinsen wirken auf Schuldner wie heißer werdendes Wasser auf den Frosch im Wasserglas. Am Anfang stört es nicht, aber irgendwann ist ein Niveau erreicht, an dem es zu schlimmen Konsequenzen kommt. Unternehmen und Emerging Markets werden von Ratingagenturen abgestuft, können Zinsen nicht mehr zahlen, schwache Unternehmen gehen möglichweise insolvent. Aktien werden unattraktiver gegenüber Renten. In Einzelfällen wird es zu viel Leid kommen, auf Marktebene sollten das Ganze aber verhalten ablaufen. Der Grund hierfür ist, dass die US-Renditen weniger stark ansteigen sollten als in früheren Zyklen oder die Fed gegensteuern wird und Zinsanhebungen zurücknimmt, sollte eine Eskalation drohen. Eine Verlangsamung des Gewinnwachstums ist aber zu erwarten.

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2 Kommentare

Sehr gut veranschaulicht.

Adolf Trautmann

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