Warnsignale für die Euro-Konjunktur

Die Konjunktur im Euro-Raum kommt in immer schwierigeres Fahrwasser. Der Euro-Indikator der DZ BANK, ein Frühindikator für die Konjunktur im Währungsgebiet, beendete das Jahr 2018 schwach mit einer Rate von -0,4 Prozent im Dezember (ggü. Vormonat). Damit hat der Indikator im Jahresverlauf 2018 insgesamt rund 2,5 Prozentpunkte eingebüßt. Das ist das schwächste Jahresergebnis seit der Euro-Krise im Jahr 2011.

Die negativen Nachrichten zogen sich im abgelaufenen Monat durch fast alle Bereiche, die in die Berechnung des Euro-Indikators eingehen. So gab es im Industriesektor eine weitere Eintrübung der Kennzahlen. Die Produktionserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe sind im Dezember auf den niedrigsten Wert seit mehr als zwei Jahren abgesackt. Gleichwohl bewegen sie sich weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt und liegen deutlich höher als in früheren Rezessionsphasen. Die Umfrage unter den Einkaufsmanagern im Industriebereich ergab ein ähnliches Bild: Der Stimmungsindikator ist auf den niedrigsten Stand seit 33 Monaten gerutscht, er zeigt aber immer noch ein leichtes Wachstum an.

Das Barometer für das Verbrauchervertrauen hat im Jahresverlauf 2018 von „Hoch“ auf „durchwachsen“ gedreht. Im Januar letzten Jahres war die Messzahl auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 angestiegen, im Dezember lag sie schließlich auf dem tiefsten Niveau seit fast zwei Jahren. Am stärksten nachgegeben haben zuletzt die Konjunkturerwartungen der Konsumenten. Vor allem die Vielzahl der politischen Belastungen und Risiken dürfte bei den privaten Haushalten auf die Stimmung drücken. Entsprechend ist auch die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, deutlich zurückgegangen. Die Messzahl ist zuletzt auf das niedrigste Niveau seit fast vier Jahren gesunken.

Auch von den Finanzmärkten kamen im Dezember schlechte Nachrichten. Die Aktienkurse haben deutlich nachgegeben. Der MSCI-Index für die Dividendenwerte im Euro-Raum verlor im Monatsdurchschnitt gut vier Prozent und schloss auf dem tiefsten Stand seit Ende 2016. Die Renditen der Bundesanleihen haben den Abwärtstrend der letzten Monate fortgesetzt und sich ebenfalls den Niveaus vom Jahresende 2016 wieder angenähert. Damit ist auch die Differenz zwischen den Kapitalmarktrenditen und dem Geldmarktzins weiter zusammengelaufen, was üblicherweise als negatives Vorzeichen für die Konjunktur gedeutet wird.

Lediglich der Rückgang der Inflationsrate lieferte zuletzt ein positives Signal. Er sorgte zusammen mit einem schnelleren Geldmengenwachstum für einen stärkeren Anstieg der realen Geldmenge. Insgesamt bleibt der Ausblick für die EWU-Konjunktur in den kommenden ein bis zwei Quartalen damit aber eingetrübt.

 

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