Bank von Japan – die Tauben fliegen wieder

Die Herausforderungen, denen sich die Bank von Japan (BoJ) bei ihrer Geldpolitik ausgesetzt sieht, haben sich in den letzten Monaten spürbar gewandelt. Nachdem es zunächst die globalen Vorgaben in Form des steilen US-Renditeanstiegs waren, die zu einem unerwünschten Aufwärtsdruck bei den Zinsen japanischer Staatsanleihen (JGB – Japanese Government Bond) geführt hatten, geht es seit November 2018 eher um einen geldpolitisch nicht induzierten übermäßigen Abwärtssog. Dass die Zehnjährigen über den Jahreswechsel temporär sogar ins Negative gerutscht waren, war zwar ein „Betriebsunfall“ in dünnem Handel vergleichbar mit dem „Flash Crash“ am Devisenmarkt. Aber auch nach der jüngsten Korrektur vermögen es die JGB-Renditen nicht, sich nachhaltig von der 0,00%-Marke nach oben abzusetzen. Die jüngste Entwicklung am JGB-Markt mag zu den inländischen Entwicklungen in Japan, insbesondere dem Rückschlag bei der Inflation und den wachsenden Konjunktursorgen passen. Wir sollten uns aber nicht vormachen, dass sie ursächlich für die niedrigeren JGB-Zinsen sind; es handelt sich eher um einen zeitlichen als einen kausalen Zusammenhang.

Den geldpolitischen Tauben kommt der skizzierte Renditerückgang natürlich entgegen. Ginge es nach ihnen, würde (trotz BoJ-Nullzins-Versprechen) auch eine Fortsetzung des Zinsverfalls tief in den negativen Bereich akzeptiert, wenn nicht sogar wohlwollend begrüßt werden. Die anderen BoJ-Mitglieder dürften sich jedoch der negativen Nebenwirkungen der langen Niedrigzinspolitik (Ertragslage der Banken, Austrocknen der Handelsaktivität am JGB-Markt etc.) besinnen und daher einen übermäßigen Zinsverfall als ebenso problematisch wie einen Zinsanstieg ablehnen.

Wir rechnen nicht damit, dass sich innerhalb der Bank von Japan eine Mehrheit zugunsten einer neuerlichen Lockerung finden wird, ganz zu schweigen von der Frage, wie diese angesichts des bereits weitgehend ausgeschöpften Instrumentenkastens überhaupt funktionieren soll. Der demonstrative Hinweis, dass negative Renditen durchaus akzeptabel sind, dass also die seit Juli geldpolitisch praktizierte „Flexibilität“ der Renditen auch nach unten gilt, würde durchaus ins gegenwärtige Stimmungsbild passen. Der Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Politik ist für die Bank von Japan jedenfalls wieder in ganz weite Ferne gerückt. Daran sollte sich auch der Yen erinnern, wenn er in Versuchung gerät, aufgrund ausbleibender Fed-Zinserhöhungen oder angesichts einer (mehr oder weniger latenten) Risikoaversion im Zuge des Brexit-Chaos zu höheren Notierungen anzusetzen.

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