Stimmung im Euro-Raum: Deutschland leicht verbessert, Frankreich rutscht weiter ab

Ein guter Start in das neue Jahr sieht anders aus. Das Stimmungsbarometer der Einkaufsmanagerindizes im Januar zeigt zwar nur eine leichte Eintrübung für den gesamten Euro-Raum und lässt sich insgesamt noch mit den Worten „vorsichtig zuversichtlich“ umschreiben. Aber eine ganze Reihe von greifbaren Risiken erdrückt ein mögliches Aufkeimen von Optimismus. Da ist die Sorge vor einem versehentlichen „Hard-Brexit“, den neuen EU-Abgasvorschriften und dem noch nicht in Vergessenheit geratenen Dieselskandal, dem anhaltend schwelenden US-Handelsstreit sowie der zu beobachtenden Abkühlung der Globalkonjunktur. Es wundert daher nicht, dass sich das Klima auch im Januar nochmals eingetrübt hat. Der Gesamtindex, der sogenannte Einkaufsmanager-„Composite“-Index, verliert 0,4 Punkte und notiert bei 50,7 Zählern – ein weiterhin verhaltenes Stimmungsbild, das auf ein schwaches Wirtschaftswachstum hinweist.

In Deutschland bleibt nach den schwachen Konjunkturdaten in der zweiten Jahreshälfte 2018 das Hoffen auf einen baldigen positiven Stimmungsumschwung. Nach den Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragungen für Januar sieht es zumindest nach einer Verschnaufpause aus. Der „Composite“-Index konnte immerhin um 0,5 Punkte zulegen und bei 52,1 Zählern landen. Ein Wert, der allerdings auch eher für ein gedämpftes Wirtschaftswachstum spricht. Der Blick auf die Details fällt zudem gemischt aus. Denn während die Stimmung in der Industrie um kräftige 1,6 auf 49,9 Zähler fällt (50-Monats-Tief), stemmt sich das Klima im Dienstleistungssektor (Januar: 53,1; Dezember: 51,8) gegen einen solchen Trend. Die Hauptgründe für den merklichen Rückgang im Industriesektor liegen nach Angaben der Befragten auch weiterhin in der Schwäche des Automobilsektors und der nachlassenden Nachfrage aus China. Für das Gesamtjahr 2019 sehen wir ein moderates Wirtschaftswachstum von rund 1% gegenüber dem Vorjahr.

In Frankreich hat sich hingegen zu Jahresbeginn die Verunsicherung in der Privatwirtschaft nach dem ohnehin schwachen Vormonat nochmals deutlich eingetrübt. Hier trug jedoch weniger der Industriesektor zu dem kärglichen Bild bei, der noch in den Vormonaten unter den Protesten der Gelbwesten litt. Im verarbeitenden Gewerbe ist das Klima auf Basis des Einkaufsmanagerindizes inzwischen sogar etwas besser als in Deutschland. In Frankreich ging es diesmal vielmehr in der Stimmung des wichtigen Dienstleistungsgewerbes bergab. Diese verlor allein gegenüber Dezember 2018 starke 1,5 Zähler und landete bei einem Stand von 47,5 Punkten – also sichtbar unterhalb der „Wachstumsschwelle“ von 50 Punkten. Das zog auch den Gesamtindex, den „Composite“-Index, weiter herunter. Der Start in das neue Jahr hat somit zumindest für die Einkaufsmanager in Frankreich alles andere als zuversichtlich begonnen. Ein ähnlich geschwächtes Wachstumsbild unterstellen wir auch für das restliche Jahr: plus 1,1% gegenüber dem Vorjahr.

 

 

 

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