US-Politik bremst das Wirtschaftswachstum deutlich

Die Zeit bis zur nächsten Kongress- und Präsidentenwahl in den USA dürfte durch ein sehr unsicheres wirtschaftspolitisches Umfeld gekennzeichnet sein. Auch wenn für den Bundeshaushalt in den nächsten drei Wochen ein Kompromiss gefunden wird, den auch Präsident Trump unterzeichnet, rechnen wir mit dämpfenden Effekten auf die US-Konjunktur. Das Hangeln von „Deadline“ zu „Deadline“ wird wohl den politischen Alltag bis zum November 2020 bestimmen. Konsumenten und Unternehmer werden künftig etwas vorsichtiger agieren.

Wir haben deshalb unsere Wachstumsprognose gesenkt und erwarten jetzt 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2,1% und 2020 von 1,6% – eine insgesamt gedrosselte Dynamik, aber immer noch ein solides Wachstum. Im Hinblick auf den etwas schwächeren Ausblick für die US-Konjunktur haben wir auch unsere Prognose für die Inflation gesenkt. Letztendlich dürfte trotz der guten Beschäftigungslage die Lohndynamik weniger stark anziehen als zunächst angenommen. Nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von knapp 2% in diesem Jahr rechnen wir im nächsten mit 2,3%.

In den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit konnte der US-Präsident einige seiner Wahlversprechen erfüllen. 2018 wurde auch das Ziel eines „kräftigen Wirtschaftswachstums“ erreicht. Zumindest ist davon auszugehen, dass im vergangenen Jahr die gesamte Wirtschaftsleistung um knapp 3% gesteigert werden konnte. Durch den „Shutdown“ der letzten Wochen, aber vor allem wegen einer reduzierten Zuversicht bei den Verbrauchern und in den Unternehmen fällt dieses Ziel jetzt wohl dem Versprechen des Mauerbaus beziehungsweise dessen Umsetzung zum Opfer. „Kräftiges Wachstum“ wird 2019 also nicht zu Trumps Verdiensten zählen.

Das üblicherweise zu Jahresbeginn schwache Wachstum der US-Wirtschaft dürfte im laufenden Quartal nahezu zum Erliegen gekommen sein. Insgesamt rechnen wir kaum mit Nachholeffekten, die unmittelbar oder auch erst im zweiten Quartal einen zusätzlichen Schub geben könnten. Aufgrund der Verunsicherung dürften die Verbraucher größere Anschaffungen sorgfältig abwägen oder möglicherweise sogar verschieben.

Zahlreiche US-Haushalte werden sich jetzt Gedanken machen, wie lange sie ohne Lohnzahlungen über die Runden kommen würden, und deshalb etwas zurückhaltender ihr Geld ausgeben. Dem steht zwar unverändert eine sehr gute Beschäftigungslage gegenüber, dennoch wird die Konsumdynamik etwas nachlassen. Seiner Rolle als wichtiger Wachstumsmotor bleibt der private Konsum aber treu.

Der unsichere wirtschaftspolitische Ausblick drosselt auch den Schwung bei den Investitionen. In Anbetracht der verhärteten parteipolitischen Fronten können die Unternehmer kaum mit weiteren finanziellen Entlastungen oder anderen unterstützenden Maßnahmen von der Bundespolitik rechnen. Im Gegenteil – zuletzt unterblieben Auszahlungen, und diverse Anträge konnten nicht bearbeitet werden. Dementsprechend dürfte sich das auf hohem Niveau notierende Klima in den Industrie- und auch in den Dienstleistungsbetrieben in den kommenden Wochen allmählich eintrüben.

 

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