Trostloses geldpolitisches Umfeld in der Schweiz

Das einzige, das die geldpolitischen Rahmenbedingungen in der Schweiz derzeit mit der in der Alpenrepublik vielerorts traumhaften Winterlandschaft gemeinsam haben, sind die frostigen Temperaturen. Nicht nur, dass die wirtschaftliche Dynamik im Herbst 2018 einen empfindlichen Dämpfer erfahren hat. Mittlerweile ist darüber hinaus die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den robusten Wachstumsraten, die zwischen Frühjahr 2017 und Mitte 2018 zu beobachten waren, verflogen. Selbiges gilt für die zarten Pflänzchen der Zuversicht, die eine auf absehbare Zeit bevorstehende spürbare Annäherung der Inflationsrate an das Zielniveau der Schweizer Zentralbank nahegelegt hatten: Selbst die Ökonomen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rechnen mittlerweile frühestens für die zweite Jahreshälfte 2021 mit einem Erreichen der 2%-Schwelle.

Kalte Füße mit Blick auf eine – bis vor Kurzem noch für möglich gehaltene – Leitzinswende gegen Ende dieses Jahres sollten die Schweizer Währungshüter nicht nur aufgrund der Vorgaben aus der Heimat bekommen haben. Vielmehr hat sich auch das globale Umfeld für die Zentralbank zuletzt spürbar eingetrübt. Die Federal Reserve hat sich vergangene Woche geldpolitisch neutral positioniert, und bei der Europäischen Zentralbank ist die bis vor Kurzem noch für Herbst 2019 mehrheitlich erwartete Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes auf Eis gelegt worden. Insbesondere ohne eine echte Leitzinsanhebung in der EWU fehlt der SNB die notwendige Rückendeckung, um selbst restriktive Schritte zu unternehmen. Zu groß sollte in den Augen der Währungshüter die Gefahr sein, den Boden für eine weitere Franken-Aufwertung zu bereiten und damit den ohnehin niedrigen Preisdruck in der Alpenrepublik zusätzlich zu dämpfen.

Ebenso wie Spekulationen über höhere Leitzinsen in der Schweiz bis auf Weiteres fehl am Platz sind, sollte die SNB auch keine Notwendigkeit verspüren, das Zinsniveau weiter in den negativen Bereich abzusenken. Weder die vonseiten des DZ BANK Research für die nächsten Quartale erwartete fundamentale Entwicklung noch die Euro-Franken-Prognose sollten einen derartigen Schritt rechtfertigen. Zwar könnten politische Faktoren – darunter ein chaotischer EU-Austritt Großbritanniens – den Franken zeitweise unter spürbaren Aufwertungsdruck setzen. Selbst in einem ungünstigen Szenario sollten sich hieraus aber lediglich vorübergehende Devisenmarktinterventionen der SNB in begrenztem Umfang ergeben.

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