EZB-Accounts: Technischer Rahmen für TLTRO in Vorbereitung

Aus den EZB-Accounts zur Januar-Ratssitzung geht hervor, dass die Währungshüter ausgiebig über die möglichen Risiken für die EWU-Konjunkturperspektiven beraten haben. Die letzten Wirtschaftsdaten waren schwächer ausgefallen als von den EZB-Vertretern erwartet. Als eine Ursache hierfür wurde unter anderem auf die Einführung des neuen Emissionsstandards (WLTP) verwiesen, welcher sich dämpfend auf die Autoproduktion ausgewirkt habe. Die Währungshüter stimmten darin überein, dass noch nicht abschließend auszumachen sei, wie lange die Konjunkturdelle noch anhalte. Zudem sei unsicher, wie sich diese auf den mittelfristigen Wachstumsausblick auswirke. Die EZB-Vertreter stimmten mit der Analyse von Chefvolkswirt Praet überein, wonach die Wachstumsrisiken für die Eurozone abwärtsgerichtet seien.
Im Hinblick auf die Teuerungsentwicklung gehen die Notenbank-Oberen nach wie vor davon aus, dass der grundlegende Preisdruck in der Eurozone Auftrieb erfahre. Eine sich fortsetzende konjunkturelle Expansion und höhere Lohnzuwächse werden als treibende Faktoren angeführt. Zugleich räumen die Währungshüter aber auch ein, dass aufgrund der gegenwärtigen Wachstumsdelle weitere Informationen notwendig seien, um die mittelfristigen Inflationsperspektiven besser beurteilen zu können. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass im Rahmen der nächsten Ratssitzung (7. März) eine turnusgemäße Überarbeitung der EZB-Stabsprojektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung auf der Agenda steht. Im Zuge der Januar-Ratssitzung wurde am Rande auch über Instrumente zur Sicherstellung der längerfristigen Liquiditätsversorgung (TLTRO – Targeted Longer-Term Refinancing Operations) gesprochen. Eine Entscheidung über eine neue Liquiditätsspritze wollten die Währungshüter allerdings nicht übereilt treffen. Zugleich haben sie aber veranlasst, dass die technischen Rahmenbedingungen für solche geldpolitischen Operationen zügig geschaffen werden.
Wir halten es für recht wahrscheinlich, dass die Währungshüter bereits zur Ratssitzung am 7. März eine neue Liquiditätsspritze beschließen. Eine zu erwartende Abwärtsrevision der Konjunktur- und Inflationsprojektionen dürfte es den Währungshütern erleichtern, die Notwendigkeit erneuter Liquiditätsmaßnahmen zu begründen. Zudem halten wir es für durchaus möglich, dass die Notenbank-Oberen auch eine Anpassung ihrer Forward Guidance in Erwägung ziehen. Bislang deutet diese auf eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes im Herbst hin.

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