FOMC-Minutes: baldiges Ende der Bilanzreduktion

Die gestern Abend veröffentlichten Minutes der FOMC-Sitzung vom 29. und 30. Januar zeigen, dass die Fed noch nicht das Ende des Leitzinserhöhungszyklus ausrufen wollte. So gaben etliche Mitglieder zu Protokoll, dass im Jahresverlauf Erhöhungen eventuell notwendig sein könnten – je nachdem, wie sich die konjunkturelle Situation entwickeln werde. Angesichts der zunehmenden Risiken seien sich aber nahezu alle Notenbanker dahingehend einig, dass eine vorübergehende Pause im Leitzinserhöhungszyklus angemessen sei. Momentan gäbe es eine Reihe von Risiken, die zweifelsohne eine Unterbrechung im Straffungskurs rechtfertigten. Insbesondere belasten die schwierigen Brexit-Verhandlungen, der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China, die volatile Aktienmarktentwicklung sowie der fünfwöchige Stillstand des US-Verwaltungsapparates. Diese Faktoren hätten das Potenzial, die wirtschaftliche Dynamik in den Vereinigten Staaten, in China und in Europa zu beeinträchtigen. Gleichzeitig erkannte die Fed an, dass viele Marktteilnehmer angesichts der Verschärfung der Finanzierungsbedingungen die Zinserhöhung im Dezember bereits nicht verstanden hätten. Was die Notenbankbilanz betrifft, so äußerten sich die verschiedenen Geldpolitiker dahingehend, dass sie mit einer Beendigung der Bilanzreduktion gegen Ende des Jahres rechnen.

Die Ankündigung einer möglichen Beendigung der Notenbankbilanzreduktion sollte unseres Erachtens nicht als eine geldpolitische Lockerungsmaßnahme verstanden werden. In erster Linie dürfte dies eine technische Maßnahme sein, um die Volatilität der Geldmarktsätze zu begrenzen. Der Wunsch der Finanzinstitute, aufgrund von regulatorischen Anforderungen ein höheres Volumen an Überschussreserven bei der Fed zu halten, macht es aus unserer Sicht tatsächlich notwendig, den Bilanzabbau im Laufe des Jahres zu stoppen. Skeptisch sind wir dahingehend, dass die Fed noch bis Ende 2019 an dieser Maßnahme festhalten wird. Wir rechnen eher im Herbst mit der Ankündigung, die Bilanzverkürzung auszusetzen. Des Weiteren zeichnet sich ab, dass die Fed ihre Erwartung von zwei Leitzinserhöhungen im Jahr 2019 im März einer Revision unterziehen wird. Wir sind jedoch skeptisch, ob sie überhaupt noch 2019 die Leitzinsen erhöhen wird. Die angekündigte Pause ist vor dem Hintergrund der zahlreichen politischen Risiken durchaus gerechtfertigt. Auch wenn die vorhandenen Gefahrenherde wohl nicht zu einem Flächenbrand werden, sollten sie weiterhin schwelen. In diesem Umfeld wird die Fed kaum weiter die Zinsen anheben.

 

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