Trumps unfreiwillige Politik des starken Dollars

Während die Handelsgespräche mit China offenbar hinreichend konstruktiv verlaufen und US-Präsident Trump auch für sein Prestigeprojekt – die Mauer zu Mexiko – inzwischen eine (wenn auch höchst fragliche) Finanzierung gefunden hat, wächst das Risiko, dass er sich jetzt seinem nächsten Erzfeind widmet. Dass er sich an den erfolgreichen deutschen (Auto-)Exporten in die USA stört, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Möglicherweise hat er jetzt mit dem Bericht seines Handelsministeriums auch die formelle Grundlage, um „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ Importzölle von bis zu 25% gegen Automobilimporte zu verhängen. Für Euro-USoDollar bedeuten entsprechende Diskussionen doppeltes Ungemach: Zum einen ist der US-Dollar derzeit der ultimative sichere Hafen – unabhängig davon, welcher Natur die Unsicherheit auch sein mag. Zum anderen würde die ohnehin konjunkturell fragile Eurozone, und mit ihr der Euro, unter einem Einbruch der Exporttätigkeit, aber auch unter einer unspezifischen Verunsicherung der Investoren leiden. Dass sich der US-Präsident mit einer Eskalationsspirale aus Zöllen und Gegenzöllen keinen Gefallen tut, gilt unter den Anhängern des Freihandels als hinlänglich bekannt. Aber auch die US-Autoindustrie, die er ja eigentlich zu schützen vorgibt, stellt sich geschlossen gegen die Idee von Strafzöllen. Jenseits der globalen Verflechtung von Produktionsketten oder der Angst vor tarifären Vergeltungsmaßnahmen gibt es noch einen weitaus triftigeren Grund, warum Trumps Kalkül nach hinten losgehen könnte: Ein festerer Safe-Haven-US-Dollar hätte für die internationale Wettbewerbsposition der US-Exporteure über alle Industriesektoren hinweg einen negativen Effekt.

Ein Anhänger der etablierten „Politik des starken US-Dollars“ war Trump ohnehin noch nie. Mehrfach hatte er sich bereits über die unfaire Behandlung der USA in dieser Hinsicht beschwert („Der Dollar ist zu stark – das bringt uns um.“). Jetzt ist es Trump endlich gelungen, die US-Notenbank von ihren „schädlichen“ Zinserhöhungen abzubringen (so dürfte zumindest seine Interpretation des geldpolitischen Kurswechsels sein), wodurch eine wichtige Quelle für die US-Dollar-Stärke der letzten Jahre hinfällig ist. Insofern wäre es aus währungspolitischer Sicht geradezu fahrlässig, wenn Trump den Investoren jetzt einen neuen Anlass zur Dollar-Nachfrage gäbe – nicht mehr als Renditeobjekt, sondern als sicherer Hafen der Wahl. Seine Erfahrungen im handelspolitischen Schlagabtausch mit China könnten Trump als Blaupause für die Währungsimplikationen in die Irre führen. China war (und ist) willens, unerwünschten Wechselkursreaktionen entschieden entgegenzutreten. Die fundamental als Folge des Handelsstreits eigentlich angelegte Yuan-Schwäche wussten Chinas Offizielle weitgehend zu unterbinden. Darauf sollte Trump aber nicht setzen, wenn er die Streitigkeiten mit der EU eskalieren lässt. Auch wenn der Dollar aus diesem Scharmützel vermutlich als Sieger hervorgehen würde, könnte es für Trump seine erste echte Niederlage bedeuten.

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