Aktienmärkte: stärkster Jahresauftakt seit 1975 – Zeit zum Ausstieg?

Das vergangene Börsenjahr war durch hohe Kursschwankungen gekennzeichnet, die im Schlussquartal in starke Verluste mündeten. Fallen die Kurse unerwartet tief, tritt meist ebenso schnell eine deutliche Erholung ein. Dies ist auch 2019 der Fall: Seit Jahresanfang notieren S&P 500 und Nasdaq 100 12% und 14% im Plus – der beste Auftakt an den US-Börsen seit 44 Jahren. Auch der DAX legte 9% zu. Die beste Kursentwicklung lieferten chinesische Aktien, der CSI 300 stieg um 22%.

Dreh- und Angelpunkt für die weitere Entwicklung bleibt die Konjunktur in den USA. Es gibt etliche kritische Stimmen, die glauben, dass sie bald auf eine Rezession zusteuert. Das Hauptargument ist, dass wir uns seit zehn aufeinanderfolgenden Jahren in einer Expansionsphase befinden, sodass die Zeit für die USA gekommen ist, in die Rezession zu gehen. Messbar war dies in erster Linie an anziehenden Kapitalmarktrenditen und einer inversen Zinskurve. Zwar zeigen sich vermehrt Risse in den positiven Wirtschaftsindikatoren, bisher ist die Wirtschaft aber solide aufgestellt.
Die Frage ist, ob die Aktien nicht zu teuer sind. Wir denken, dass dies noch nicht der Fall ist. Mit einem aktuellen KGV von 14,9, bezogen auf das Geschäftsjahr 2020, liegt die Bewertung des US-Marktes, gemessen am S&P 500, auf Höhe des langjährigen Durchschnitts von 15. Gleichzeitig ist der US-Aktienmarkt stärker denn je durch Technologietitel geprägt – sie stellen 26% der Indexkapitalisierung des S&P 500. Sie wachsen deutlich stärker als die übrigen Unternehmen in den USA und liefern damit zusammen mit den Banktiteln die Grundlage für anziehende Unternehmensgewinne. Außerdem setzt sich am Markt zunehmend die Erkenntnis durch, dass die amerikanische Notenbank die Leitzinsen auf recht lange Sicht sehr niedrig halten wird. Dies könnte den Aktienmärkten zusätzlichen Auftrieb geben.

Aus diesem Grund sehen wir keinen Anlass, schlagartig Aktienpositionen zu veräußern. Die chinesischen Aktienmärkte sind stark gestiegen, jedoch ist die Bewertung der Titel keinesfalls so übertrieben hoch, dass sich ein Verkauf aufdrängen würde. Bei den Kursen im S&P 500, Euro Stoxx 50 und DAX sehen wir noch etwas Potenzial, wenngleich unsere Indexprognosen per Jahresende 2019 schon in Sicht liegen. Die Bewertung des Nasdaq 100 hat sich zuletzt etwas erhöht, aber die Ertragskraft seiner Schwergewichte (Microsoft, Apple, Alphabet und Amazon) dürfte weiter zunehmen, nicht zuletzt dank des boomenden Cloud-Geschäfts. Unser DZ BANK-Marktstimmungsbarometer zeigt noch keine übertrieben euphorische Stimmung an, so dass es noch keinen Grund gibt, sich im großen Umfang aus dem Aktienmarkt zu verabschieden. Erst wenn die Euphorie zu groß wird, ist es Zeit für Verkäufe. Bis dahin dürfte es noch etwas dauern.

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