China, die USA und die „Potemkinschen Dörfer“ der FX-Stabilität

Die USA und China stehen kurz vor dem Durchbruch zu einem neuen Handelsabkommen. Das Thema „Währung“ soll angeblich eine zentrale Rolle spielen und es soll „genau definierte strukturelle Zusagen“ geben – wir sind gespannt, wie das aussehen soll. Bislang wird spekuliert, dass China verspricht, seine Eingriffe am Devisenmarkt offenzulegen. Es geht also nicht etwa um den Verzicht auf Interventionen und auch nicht um eine ex-ante-Information oder gar eine US-Erlaubnis, sondern nur darum, die Eingriffe nachträglich transparenter zu machen.

Wir sollten aber nicht vergessen, dass China den Yuan schon lange nicht mehr nur mit dem währungspolitischen Einsteigermodell in Form simpler Kassa-Interventionen auf den gewünschten Kurs bringt. Die Konstruktion ist deutlich komplexer und eine Mischung von Outright-, Termin- und Swap-Geschäften, Liquiditätssteuerung am Interbankenmarkt sowie einer Vielzahl anderer feiner Nadelstiche (zum Beispiel Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten bei Fremdwährungsgeschäften der Geschäftsbanken). Ob China sich tatsächlich bereit erklärt, den USA die gesamte Bandbreite offenzulegen? Und dies auch noch so zeitnah, dass die Informationen nicht längst völlig veraltet und damit inhaltsleer sind? Wir hegen Zweifel.

Vielversprechend, im Sinne einer Win-Win-Situation für beide Verhandlungsparteien, wäre auch ein chinesisches Bekenntnis zur Wechselkurs-Stabilität. Trump könnte seiner Wählerschaft einen „großen Sieg“ vorweisen; China kostet es nichts außer seiner verbalen Zusage. Im aktuellen Marktumfeld stellt es keine wirkliche Herausforderung dar, eine Yuan-Abwertung zu verhindern. Dank der Absage der US-Fed an weitere Leitzinsschritte ist der übergeordneten US-Dollar-Stärke der Nährboden entzogen worden, mit dem Resultat, dass auch das Spiegelbild in Form einer Yuan-Abwertung derzeit kein Thema ist. Aber was passiert mit dem Deal, wenn der Dollar das nächste Mal zum Höhenflug ansetzt? Einem fundamental gerechtfertigten, globalen US-Dollar-Aufwärtstrend nachzugeben, wäre für den Yuan unseres Erachtens keine verwerfliche, kompetitive Abwertung. Sie hätte auch nichts mit staatlicher Alimentierung des chinesischen Exportsektors zu tun. Vielmehr wäre es die konsequente Umsetzung des Konzeptes freier Marktkräfte, wie sie seit Jahren gerade mit Blick auf China immer wieder eingefordert wird. Insofern wäre ein unreflektiertes Versprechen von FX-Stabilität ohne Berücksichtigung des konkreten Umfelds ein Rück- und kein Fortschritt.

Gilt die zugesagte Stabilität eigentlich in beide Richtungen? Die USA wollen keine Yuan-Abwertung. Doch wie sieht es mit einer Aufwertung aus? Muss oder vielmehr darf China diese denn auch verhindern, damit der Wechselkurs stabil bleibt? Stabilität ist schließlich keine Einbahnstraße – oder ist sie es vielleicht doch, wenn sich herausstellt, dass China in einer Art und Weise interveniert, die den US-Vertretern nicht genehm ist?

So lange es gelingt, diese Scheinkulisse aus Transparenz von Interventionen und Wechselkursstabilität aufrecht zu erhalten, mögen die vermeintlichen Zugeständnisse Chinas ein cleverer Schachzug sein, um das aktuell diskutierte Handelsabkommen für beide Seiten tragbar zu machen. Der eigentliche Test, ob die Übereinkunft mehr als das Papier wert ist, auf dem sie unterschrieben wird, findet erst statt, wenn sich der nächste übergeordnete Dollar-Trend anbahnt.

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