Türkei: Rezession vor Kommunalwahlen, Ausblick bleibt verhalten

Nun ist es amtlich: Die Wirtschaft der Türkei ist zum Jahresende 2018 in eine Rezession gestürzt. Die Wirtschaftsleistung des Landes sank im Schlussquartal des vergangenen Jahres spürbar um 2,4% gegenüber dem Vorquartal. Damit nahm das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits das zweite Mal in Folge ab. Der Rückgang war zudem kräftiger als noch im Sommerquartal, als das Minus 1,6% betrug. Aufgrund der dynamischen Konjunktur noch zu Jahresbeginn 2018 fiel die Wachstumsrate für das Gesamtjahr mit 2,6% positiv aus.

Für Präsident Erdoğan sind die schlechten Wirtschaftszahlen ein Problem. Denn Ende März finden in der Türkei Kommunalwahlen statt. Mit verschiedenen Maßnahmen hat die Regierung bereits versucht, sich gegen die hohen Inflationszahlen zu stemmen, die Konjunktur in Gang zu halten und letztlich die Bevölkerung zu besänftigen. Hierzu gehört eine Anhebung des Mindestlohns, ein vergünstigter staatlicher Vertrieb von Grundnahrungsmitteln sowie die Verlängerung der reduzierten Mehrwertsteuersätze unter anderem auf Automobile. Die Inflationsrate hatte im Februar 2019 mit knapp unter 20% allerdings immer noch ein gravierendes Ausmaß. Erst in diesem Sommer dürfte sie mit dem Basiseffekt deutlich zurückgehen, trotzdem aber zweistellig bleiben.

Die negativen Auswirkungen der Währungskrise, die im Sommer 2018 zu dem enormen Preisdruck geführt hat, kommen derweil immer deutlicher zum Ausdruck. Die inflationsbedingten Kaufkraftverluste und die zunehmende Arbeitslosigkeit haben das Konsumentenvertrauen nachhaltig erschüttert und zu einem deutlichen Rückgang beim privaten Konsum geführt. Und auch die Unternehmen, die sich häufig in Fremdwährung verschuldet haben, leiden unter der schwachen Lira und der verminderten Binnennachfrage. Sie fuhren ihre Investitionen merklich zurück. Lediglich die verbesserte Außenhandelsbilanz konnte dank der massiv sinkenden Importe die Folgen der Rezessionskrise auf das türkische BIP zuletzt etwas abfedern.

Eine konjunkturelle Trendwende wird es daher frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 geben, wenn sich die Konsumneigung allmählich erholt. Im laufenden Jahr wird die türkische Wirtschaftsleistung voraussichtlich kaum mehr als stagnieren und erst 2020 wieder leicht wachsen.

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