China: Die Gründe für den unheimlichen Kursaufschwung

In China steigen die Börsen wie in den besten Tagen. Mit dem katapultartigen Anstieg der Kurse 2019 wurde eine Einigung der amerikanisch-chinesischen Zollverhandlungen vorweggenommen.

Auch der langfristige Ausblick spricht für China: Die chinesische Wirtschaft dürfte in diesem Jahr rund viermal so schnell wachsen wie die deutsche Wirtschaft. Darüber hinaus wird das „alte China“ langfristig durch das „neue China“ in der Industrie- und Dienstleistungslandschaft ersetzt. Das „alte China“ wird an der Börse repräsentiert von Unternehmen aus den Bereichen wie Immobilien, Grundstoffe oder Finanzen. Diese wachsen langsamer oder kämpfen mit Problemen wie Überkapazitäten oder notleidenden Kredite. Dies ist einer der Gründe, warum diese Aktien im ohnehin schwachen Marktumfeld im Dezember 2018 mit besonders hohen Abschlägen zur Bewertung des Gesamtmarktes gehandelt wurden. Diese Unterbewertung wurde durch den Kursanstieg 2019 wieder ausgeglichen. Dennoch sind die Anleger immer noch auf der Suche nach Wachstumsstories jenseits defensiver Aktien (obwohl dies auch gute Anlagemöglichkeiten sein können).
Diese Wachstumsstories finden sich im „neuen China“. Immer mehr Unternehmen drängen auf den Markt und sind in bisher weniger stark adressierten Branchen wie Technologie, Gesundheitswesen, Pharmazie, Umweltschutz und Bildung tätig. Die strukturellen Perspektiven in diesen Bereichen sind sehr gut und es ist mit einem überdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen. Erfolgreiche Unternehmen in diesen Branchen, die durch eine geringere Kapitalintensität gekennzeichnet sind, sollten schneller wachsen und höhere Gewinnmargen aufweisen als defensive Werte. Bisher sind viele dieser Titel wegen der ADR-Listings in den USA nicht für heimische Investoren handelbar, was sich zukünftig ändern könnte.

Die Politik greift in das Marktgeschehen ein, ausländische Investoren bleiben als Ankeraktionäre außen vor, die inländischen Anleger sind sehr spekulativ unterwegs – all dies sind die Merkmale, mit denen der chinesische Festlandsaktienmarkt häufig beschrieben wird. Ein Großteil davon ist aus unserer Sicht gerechtfertigt, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung der Privatanleger, die laut Bloomberg rund 85 % des Handels mit A-Aktien an der Börse ausmachen. Die hohen Kursschwankungen sind ideal für langfristige Anleger, da sie in einem ansonsten grundsätzlich wachsenden Markt zahlreiche Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten bieten.
Allerdings bleibt es riskant, sich dem Thema über Einzelwerte zu nähern. Viele Unternehmen bleiben obskur und veröffentlichen zudem ihre Geschäftsberichte nur in Standard-Mandarin. Eine systemische Prüfung der Geschäftsberichte erfolgt in der Regel durch lokale Wirtschaftsprüfer und nicht durch die „Big 4“-Prüfer. Fondslösungen, Zertifikate und der Kauf großer Unternehmen, die auch in Hong Kong oder über ADRs gelistet sind, stellen gangbare Alternativen dar.
Die Bewertungsrelationen des Marktes haben sich etwas verteuert, aktuell liegt die KGV-Bewertung bei 13,5 Punkten und dass Gewinnwachstum 2019 bei 14%. Der chinesische Aktienmarkt bleibt unverändert attraktiv.

Auf Sicht der kommenden sechs bis 18 Monate sollten die Kurse weiter ansteigen, wenngleich das Allzeithoch aus 2007 in Ferne bleibt. Kurzfristig ist der Markt überhitzt, Kursrücksetzer werden damit wahrscheinlicher.

 

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