Privatanleger kaufen wieder Aktien – leider mit dem Trend

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland die Zahl der Aktionäre laut DAI (Deutsches Aktieninstitut) gestiegen, und gestern wurde in Deutschland der Tag der Aktien gefeiert. Das sind erfreuliche Nachrichten. Allerdings erfolgte der Aufbau der Bestände wieder einmal in einer Hausse. An der Börse gelten andere Regeln als im Alltag: Locken große Einzelhändler an Aktionstagen mit Rabattverkäufen, greifen Käufer beherzt zu. Am Aktienmarkt hingegen kaufen die Anleger, wenn die Preise steigen, und es wird verkauft, wenn die Kurse sinken.
Woran liegt das? – Geht es bergauf, möchten Anleger nicht beiseitetreten, sondern am Erfolg teilhaben. „Jeder macht es“ (oder englisch „social proof“) ist das Gebot der Stunde. Der Verkauf zu fallenden Kursen hingegen wird wohl durch den Fluchtreflex verursacht, der seit der Schöpfung im menschlichen Verhalten verankert ist. Unsicherheit an den Märkten signalisiert dem Anleger: „Das ist nicht schön – lass uns lieber flüchten“.

Nun steht vor der Börse kein anlegerfressendes Mammut und wartet auf Häppchen. Es geht auch „nur“ um Geld, nicht um Leib und Leben. Anleger verhalten sich an der Börse überwiegend irrational, aber sie können eigentlich nichts dafür. Für die Aktienanlage gibt es Dutzende von Argumenten. Das wichtigste ist, dass die Kurse über lange Zeit die Inflation deutlich schlagen. Deutsche Standardwerte haben seit 1968 eine jährliche Rendite von 7,7% erzielt. Das entspricht einem Wertzuwachs von 4.395%!

Trotz des erfreulichen Anstiegs der Aktionärszahlen: Diese Zahlen sind nur begrenzt aussagefähig. In den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl in Deutschland deutlich gestiegen. Darüber hinaus sind viele deutsche Aktionäre nicht aktiv am Börsengeschehen beteiligt, sondern führen „Schläfer“-Depots. Es gibt immer noch viele Aktionäre, die vor 20 Jahren Aktien der „Volksaktie“ Deutsche Telekom gekauft haben und diese nicht verkaufen wollen, weil sie im Minus liegen. Bereinigt man diese Faktoren, so ist klar, dass wir von einer Börseneuphorie beim deutschen Privatanleger weit entfernt sind. Im Jahr 2000 hatte jeder Taxifahrer Börsentipps parat, so etwas erlebt man heute nicht. Für eine Blasenbildung am Aktienmarkt ist auch die Bewertung zu niedrig.
Für Anleger, die an der Börse investieren, spielen die Aktivitäten der Privatanleger eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, die Qualität des Managements und die Bewertung der Aktie.

Jeder halbwegs optimistische Anleger, der glaubt, dass die Welt in 30 Jahren fortschrittlicher sein wird als heute, sollte einen Großteil seines Vermögens in Aktien investieren. Das gilt insbesondere für junge Anleger, weil diese den Zinseszinseffekt länger nutzen und in der Krise „dem Mammut die Stirn bieten“ können. Viele deutsche Unternehmen haben Kriege und Krisen durchstanden, weil Unternehmer langfristig und mit Plan handelten. Notenbankchefs und Politiker hingegen agieren kurzfristig, weil sie alle vier Jahre kommen und gehen. Dies sollten sich Anleger zunutze machen – sei es durch regelmäßige Sparanlagen oder Einmalanlagen in nachweislich gute Aktienfonds und Zertifikate.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.50

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *