Die aktuellen Konjunkturdaten sollte man nicht überinterpretieren

Die jüngsten Daten zur Stimmung in der deutschen und europäischen Industrie sind überraschend schwach ausgefallen. So ist der PMI für Deutschland kräftig gefallen und deutet in der Industrie auf eine Rezession hin. Ähnlich schwach waren die Daten für die restlichen Länder im Euroraum, wenn auch etwas stabiler.

Eine schwache Nachfrage aus China und weiterhin hohe politische Risiken, hier vor allem der weiterhin ungelöste Brexit, dürften die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung sein. Aber die wichtige Frage ist nun, wie geht es weiter?

Aus meiner Sicht ist die Lage immer noch besser als die Stimmung. Ich rechne weiterhin damit, dass man eine Lösung für den Brexit Streit findet. Es läuft dabei aus meiner Sicht auf eine längere Verschiebung des Brexit hinaus. Auch der Handelskonflikt der USA mit China sollte sich nicht zu einem globalen Handelskrieg ausweiten. Die wirtschaftlichen Impulse aus China dürften auch in den kommenden Monaten schwach bleiben, jedoch sollten sich die beschlossenen fiskalischen Stützungsmaßnahmen hier leicht positiv bemerkbar machen.

Wir erwarten zurzeit ein BIP Wachstum von 0,4% gg Vq in Q1 2019 in Deutschland. Angesichts der nun vorliegenden Daten erscheint das nun sehr optimistisch. Damit steht auch unsere Erwartung von 1% Wachstum in 2019 in Deutschland auf tönernen Füßen. Sicherlich könnte man jetzt die Prognose nach unten revidieren und die neue Prognose stünde dann im Einklang mit den vorliegenden Daten.

Jedoch halte ich dies für verfrüht. Der politische Einfluss auf das Wachstum war nur selten so groß wie in der aktuellen Phase. Die Regierungen und auch die Regierungschefs stehen in den kommenden Jahren vor Wahlen. Für die kommenden Wahlkämpfe wäre eine mitverschuldete Rezession sicherlich nicht hilfreich. Daher sollten die anstehenden Entscheidungen nicht in einem Desaster enden.

Die aktuelle Datenlage deutet darauf hin, dass das BIP-Wachstum im ersten Quartal in Deutschland schwächer ausfällt als bislang von uns erwartet. Aber die Prognose für das Jahr 2019 von 1% sollte man nicht zu früh abschreiben. Wenn sich die politischen Entscheidungen in die erwartete Richtung entwickeln, können die kommenden Quartale den schwachen Jahresauftakt ausgleichen. Jedoch, wenn die politischen Krisen sich wider Erwarten ungünstig entwickeln, dann wird das Wachstum in Deutschland in 2019 eher bei 0% als bei 1% liegen. An den Finanzmärkten wird zurzeit eher letzteres durchgespielt, aber auch das halte ich für übertrieben.

Mittelfristig reche ich weiterhin mit einer graduell nachlassenden Wachstumsdynamik. Eine Rezession ist aus meiner Sicht aber auch nicht wahrscheinlich. Die Wachstumsimpulse von der demographischen Entwicklung und von den niedrigen Zinsen sollten stark genug sein eine längere Rezession zu vermeiden.

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