Steht die Türkei vor der nächsten Krise?

In der Türkei finden am kommenden Wochenende Kommunalwahlen statt. An den Finanzmärkten macht sich diese eigentlich nicht relevante Wahl deutlich bemerkbar. So fielen gestern die Aktienkurse in der Türkei über 5%. Gleichzeitig verstärkt die Regierung oder besser die Notenbank ihre Aktivitäten, um Spekulationen gegen die türkische Lira (TRY) zu erschweren: Zum einen wurden die TRY-Refinanzierungsbedingungen türkischer Geschäftsbanken verteuert, was einer etwas restriktiveren Geldpolitik gleichkommt. Zum anderen wurden die normalerweise täglich durchgeführten US-Dollar-Swap-Auktionen der Zentralbank ausgesetzt. Eine weitere Maßnahme limitiert den Umfang der Lira-Geschäfte, die türkische Banken mit ausländischen Instituten durchführen dürfen. Über die geringere Lira-Liquidität soll es ausländischen Geschäftsbanken offensichtlich erschwert werden, auf eine Abwertung der Lira zu spekulieren.

Problematisch ist hierbei, dass türkische Banken – sollte es bei einer restriktiven Regelung bleiben – auch nicht die Möglichkeit haben, über Swap-Geschäfte an Devisen zu kommen. Angesichts der hohen Auslandsverschuldung der türkischen Volkswirtschaft ist ein günstiger Zugang zu Fremdwährungen für die türkische Wirtschaft aber immens wichtig.

All diese Aktionen zeigen, dass die türkische Regierung nervös ist. Offensichtlich bereitet man sich hier auf nicht erwünschte Ergebnisse in den Kommunalwahlen vor sowie ein entsprechendes Eingreifen von Präsident Erdogan. Falls es tatsächlich zu einer nachträglichen Korrektur der Wahlergebnisse kommt, würde die Türkei das mühsam aufgebaute Vertrauen schnell wieder verspielen. Diese Entwicklung dürfte sich ungünstig auswirken – sowohl auf die Finanzmärkte in der Türkei als auch die Währung.

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