China: Industrie schöpft Hoffnung

Erstmals seit vier Monaten liegen die beiden Einkaufsmanagerindizes für die chinesische Industrie wieder oberhalb der 50-Punkte-Marke. Beide Stimmungsindikatoren sind im März gegenüber dem Vormonat deutlich angestiegen. Der sog. „offizielle“ Index des chinesischen Statistikamts war im Februar noch auf ein Dreijahrestief von 49,2 Punkte gefallen, nun notiert er bei 50,5 Zählern. Der „inoffizielle“ Index des privaten Analysehauses IHS Markit hatte den Tiefpunkt schon im Januar bei 48,3 Punkten erreicht, aktuell steht er bei 50,8 Punkten. Zeichnet sich damit eine Erholung in der chinesischen Industrie ab?

Sicherlich ist eine gewisse Vorsicht geboten: Gerade zum Jahresbeginn rund um das chinesische Neujahrsfest weisen die beiden Stimmungsindikatoren stets eine höhere Volatilität auf. Ein erneuter Rückschlag im laufenden Monat wäre daher keine Überraschung. Auch dürfte die Hoffnung, dass der US-chinesische Zollstreit letztlich glimpflich ausgeht, wesentlich zur Stimmungsaufhellung beigetragen haben. Immerhin ist die befürchtete Eskalation Anfang März ausgeblieben. Allerdings dringt aus den laufenden Gesprächen auch wenig Greifbares, das eine baldige Streichung der bereits verhängten Zölle erkennen lässt. Die Belastungen, die der chinesischen Wirtschaft inzwischen erkennbar zu schaffen machen, könnten also erst einmal bestehen bleiben.

Auf der anderen Seite deuten eine Reihe Indikatoren darauf hin, dass die chinesische Regierung stabilisierende Konjunkturmaßnahmen auf den Weg gebracht hat. Die Geldpolitik wurde in den vergangenen Monaten gelockert, die Kreditvergabe ausgeweitet. Die staatliche Investitionstätigkeit zieht seit Ende letzten Jahres wieder an. Ihr ist es vermutlich zu verdanken, dass die befragten Einkaufsmanager die Inlandsaufträge wieder deutlich positiver einschätzen. Die Auftragslage in der Exportindustrie blieb dagegen schwach, wenngleich nicht mehr ganz so gedämpft wie noch im Vormonat.

Erweist sich die aktuelle Stimmungsaufhellung tatsächlich als nachhaltig, ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass die chinesische Konjunktur im zurückliegenden ersten Quartal ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht haben könnte und sich im weiteren Jahresverlauf stabilisieren dürfte.

 

 

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