Adjustierung des Einlagesatzes mit unerwünschten Nebenwirkungen

Negative Zinsen, der Einlagesatz liegt schon geraume Zeit bei -0,4%, sind im Euroraum fast schon ein Normalzustand geworden. Zu Beginn sollten die negativen Zinsen die Kreditvergabe der Banken beflügeln, was auch teilweise funktioniert hat. Zwischenzeitlich ist dieser positive Effekt weitestgehend verschwunden. Geblieben ist eine Art Sondersteuer für Banken und Unternehmen im Euroraum, die insbesondere im Bankensektor die internationale Wettbewerbsfähigkeit verringert. Nun scheint sich auch die EZB langsam unwohl zu fühlen. Dies mag auch daher rühren, dass man nun auch in der Notenbank eine baldige Änderung der Zinspolitik abgeschrieben hat. Damit steht die EZB nun vor dem Problem, dass die negativen Zinsen auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben, bzw. wenn die Konjunkturdynamik sich noch weiter verlangsamt, die Leitzinsen noch tiefer in den negativen Bereich gesenkt werden könnten.

Entsprechend haben nun EZB Chef Draghi und Chefvolkswirt Praet auf die möglichen Gefahren von negativen Zinsen hingewiesen und auch angedeutet, dass man ungewollte ungünstige Effekte mildern wolle. Hier wird vor allem über die Einführung von einem System der Zinsstaffelung und Freibeträge für Banken diskutiert, wie es zum Beispiel in der Schweiz angewendet wird.

Es ist natürlich schon einmal als positiv zu bewerten, dass die EZB sich gedanklich in diese Richtung bewegt. Jedoch sollte man sich dort eher überlegen, ob man nicht besser die negativen Zinsen einfach abschafft. Der Nutzen negativer Zinsen ist aus meiner Sicht sehr beschränkt und die möglichen Kollateralschäden sind groß. Der Nutzen würde erst positiv werden, wenn man Bargeld als Fluchtmöglichkeit vor negativen Zinsen unattraktiv machen würde. Aber dies ist bislang nur eine theoretische Diskussion.

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